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Pflegeausbildung in Schleswig-Holstein jetzt kostenfrei

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Seit 2012 konnte für die Pflege in Schleswig-Holstein eine Menge bewegt werden, findet der Reinbeker Landtagsabgeordnete Martin Habersaat. Als Beispielse nennt er die Einführung der Pflegeberufekammer zur besseren Interessenvertretung der Pflegenden, Projekte zur Entbürokratisierung in der Pflege, die Erstellung eines Demenzplans, eine Ausbildungsreform auf Bundesebene sowie vor allem die Übernahme der Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Im Jahr 2015 konnte in Schleswig-Holstein erstmals die schulische Altenpflegeausbildung für alle Auszubildenden kostenlos angeboten werden. Habersaat, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion: „Das wurde auch höchste Zeit. Es war ja absurd, dass man in einem Arbeitsfeld wie der Altenpflege, wo wir als Gesellschaft so dringend Personal brauchen, das Geld für die eigene Ausbildung noch mitbringen musste!“

Martin Habersaat
Martin Habersaat

Anette Langner, Staatssekretärin im Sozialministerium, erläutert: „Wir haben trotz dauerhaft angespannter Haushaltslage seit 2013 die finanziellen Haushaltsmittel jährlich deutlich erhöht: 2015 hat das Land die schulische Ausbildung in der Altenpflege mit rund 6,1 Mio. Euro gefördert. Das war gegenüber 2012 ein Plus von 46 Prozent. Wir haben die Zahl der landesgeförderten schulischen Ausbildungsplätze in 2013, 2014 und 2015 kontinuierlich erhöht. Jeweils um 200 Plätze auf aktuell 1.800. Damit ist es bereits im vergangenen Jahr erstmals gelungen, die schulische Ausbildung für alle Altenpflege-Auszubildenden im Land kostenfrei zu stellen. 2016 werden 300 zusätzliche Plätze gefördert, so dass ab dem 1. April 2016 insgesamt 2.100 Plätze kostenfrei für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen. Diese Politik zahlt sich bei der Gewinnung von Berufsnachwuchs aus.“ Es sei in Ergänzung mit den Fördermaßnahmen der Bundagentur für Arbeit im Land gelungen, die Ausbildungszahlen insgesamt von 1.964 Auszubildenden im Jahr 2012 auf 2.357 im Jahr 2015 zu erhöhen. „Das bedeutet ein Plus von rund 17 Prozent und ist ein Riesenerfolg angesichts des demografischen Wandels.“

Auch in anderen Bereichen gibt es Fortschritte für die Pflege:

• Bereits Anfang Dezember hat Ministerin Kristin Alheit den Mitgliedern des Errichtungsausschusses der Pflegekammer ihre Ernennungsurkunden überreicht. Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege sind in dem geschlechterparitätisch besetzten Gremium repräsentiert, das in Schleswig-Holstein eine Pflegekammer einrichten soll. Habersaat: „Schleswig-Holstein wird nach Rheinland-Pfalz das zweite Bundesland mit solch einer starken Interessenvertretung der Pflegenden sein.“ Vor dem Beschluss zur Einrichtung einer solchen Kammer hatte eine Umfrage unter allen Pflegenden im Land ergeben, dass diese mehrheitlich gewünscht war. Staatssekretärin Anette Langer sagt zur Pflegekammer: „Gute Pflege und gute Arbeitsbedingungen für die, die Pflege beruflich leisten, sind zwei Seiten derselben Medaille. Und es ist daher auch richtig, pflegefachliche und berufspolitische Fragen gleichermaßen in den Fokus zu nehmen. Genau das soll und wird die Pflegeberufekammer tun.“

• Berufspolitisch gibt es viel zu tun. Auf Bundesebene wird eine Ausbildungsreform hin zu einer einheitlichen, generalistisch ausgerichteten Pflegeausbildung angestrebt. Die Ausbildung in den drei Pflegefachberufen Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sollen zukünftig zusammengefasst werden. Ein erster Gesetzesentwurf liegt vor. Ziel ist es, durch mehr Durchlässigkeit zwischen den Pflegeberufen mehr berufliche Perspektiven für Pflegende zu eröffnen und die Attraktivität des Berufes zu steigern.

• Ein weiteres großes Thema des vergangenen Jahres war die Erprobung eines Bundesmodells zur Entbürokratisierung in der Pflege, in dessen Rahmen die Dokumentationspraxis in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten vereinfacht werden soll. Dieses Vorhaben hat eine bisher einmalige Zusammenarbeit der beteiligten Akteure auf Bundes- und Landesebene gebracht. Die Dokumentation in der Pflege ist seit mehr als einem Jahrzehnt zentrales Thema, wenn es um Belastungssituationen in der Pflege und um Entbürokratisierung geht. Ein Viertel der Einrichtungen in Schleswig-Holstein beteiligt sich an dem Projekt.

• Lange wurde über einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsinstrumentarium diskutiert. Nicht mehr Defizite, sondern der Grad der Selbstständigkeit soll zukünftig in den Mittelpunkt der Begutachtung gestellt werden. Dies entspricht dem professionellen Pflegeverständnis und ist ein wichtiger Meilenstein für zeitgemäße Pflege in der Praxis. Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und neues Begutachtungsverfahren werden zum 1. Januar 2017 wirksam.

• 2016 will das Land einen Demenzplan vorlegen. Mit diesem sollen die Versorgungsstrukturen des Landes Schleswig-Holstein für Menschen mit Demenz gesichtet, gebündelt und qualitätsgesichert weiterentwickelt werden. Versorgungslücken sollen erkannt und geschlossen werden. Erarbeitet wird der Plan von der Geschäftsstelle Demenzplan der Alzheimer Gesellschaft unter Einbindung der relevanten Akteure im Zusammenwirken mit dem Gesundheitsministerium. Die Versorgung von dementiell Erkrankten sowie ein inklusiver Umgang mit ihnen werden damit wichtige Impulse bekommen.

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