Die Zukunft der Tageszeitungen – ein großes schwarzes Loch?

von bargteheide AKTUELL  |  24.11.09  |   1166 mal angesehen
Gesellschaft Kultur empfehlung

Die Druckwalzen laufen noch. Aber wie lange? Ein anderes Medium läuft Tageszeitungen momentan den Rang als Informationsquelle Nummer eins ab: Das Internet. Es ist auf der Überholspur und die gedruckte Konkurrenz gerät immer mehr ins Hintertreffen.

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Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Das Internet spielt als Informationsquelle in einer ganz anderen Liga. Allein in puncto Aktualität ist es der gedruckten Tageszeitung weit voraus. Ich weiß schon jetzt, was morgen in der Zeitung steht.
Ich kann meine Quelle wählen und mich in Sachen Wirtschaft beim Handelsblatt informieren, den Sportteil der Bild lesen und die Meinungen in der ZEIT.
Wenn ich möchte, kann ich die Nachrichten per RSS-Feed (enthält alle oder nur ausgewählte Nachrichten einer Website; auch BargteheideAktuell.de bietet einen RSS-Feed) abonnieren, jeden Abend bündeln und als eBook (elektronisches Buch) auf einen Reader (Lesegerät) laden.

Und all das kostenlos.

Wenn man die gedruckte Tageszeitung auf die andere Seite stellt, wird klar, wer in diesem Kampf die besseren Karten hat. Nur mit einem Vorteil können die Zeitungen noch Leser locken: Vertrauen. Man glaubt dem gedruckten Wort einfach eher, da man weiß, dass professionelle Redaktionen dahinterstehen. Das Problem dabei ist nur, dass alle renommierten Tageszeitungen auch online zu finden sind. Also lese ich die FAZ doch lieber am Computer und bin so schneller und kostenlos informiert.

Niemand möchte mehr morgen lesen, was heute passiert.

Die gedruckten Tageszeitungen werden wohl verlieren. Sie sind einfach überflüssig, denn niemand möchte mehr morgen lesen, was heute passiert und dafür auch noch Geld bezahlen. Die Leser brechen momentan weg und natürlich sinken die Einnahmen gleichzeitig.

Warum es schlecht ist, dass man die ZEIT irgendwann wohl nicht mehr als unhandliche Zeitung sondern als Datei bekommt, weiß niemand so genau. Es ist für das geschriebene Wort ja egal, ob es mit Pixeln oder Tinte dargestellt wird.

Die Frage ist nur, ob dann noch jemand die Wörter für die ZEIT schreiben wird. Denn Qualitätsjournalismus kostet Geld und das muss man irgendwoher bekommen. Nur durch Werbebanner wird sich ein Verlag wohl nicht finanzieren können.

Der Tod des Qualitätsjournalismus?

Nicht zwangsläufig. Auch wenn an allen Ecken und Enden prophezeit wird, dass wir Nachrichten demnächst nur noch von Amateuren lesen, die schlecht recherchierte und womöglich falsche Informationen verbreiten, muss das nicht stimmen. Übrigens sei an dieser Stelle gesagt, dass auch Zeitungen nicht immer top informiert sind und hin und wieder kompletten Müll schreiben. Da tut sich auch ein weiterer Vorteil des Internets auf: Die Kommentarfunktion. Endlich kann man als Leser seine Meinung äußern und diskutieren.
Dieses “Mitmachweb” birgt aber auch Gefahren. Jeder kann heute Journalist sein, Gerüchte verbreiten sich eventuell schneller, da gründliche Recherche zu Gunsten der Schnelligkeit in den Hintergrund gerückt werden könnte.

Es ist nötig, den Fortschritt zu akzeptieren

Allerdings steht fest, dass Tageszeitungen nur überleben können, wenn sie sich kreativ und flexibel zeigen. Es ist nötig, den Fortschritt zu akzeptieren und nicht zu bekämpfen. Denn wenn man sich erst mal eingesteht, dass aktuelle Nachrichten auf Papier kaum noch einen Sinn haben, kann man Lösungen finden, die es ermöglichen, den Qualitätsjournalismus auch im Internet zu bieten.

Tatsächlich ist das sehr kompliziert. Der Internetnutzer ist im Allgemeinen nicht dazu bereit, Geld für Inhalte zu bezahlen. Trotzdem gibt es momentan Versuche, Inhalte kostenpflichtig zu machen. Natürlich ein sehr schwieriges Unterfangen. Aber es wird wohl nicht anders gehen. Die Netzzeitung ist zum Beispiel an der Herausforderung Internet gescheitert.

Fest steht: Wer sich nicht bewegt und keine Konzepte entwickelt, mit der sich eine Tageszeitung finanzieren lässt, die nur online publiziert, gerät ins Hintertreffen. Die wohl Bekannteste der Welt, die New York Times, ist ein Beispiel dafür, dass es ganz schnell gehen kann.
Ideen, wie man diese Finanzierung hinbekommen kann, gibt es zum Beispiel in diesem Artikel.

Der bekannte Medienunternehmer Rupert Murdoch ist im Moment ein Vorreiter. Er will nicht mehr möglichst viele Besucher auf seine zahlreichen Internetseiten locken, um attraktiv für Werbekunden zu sein. Stattdessen hat er “Paid Content” eingeführt. Besonders interessant ist an dieser Stelle das Wall Street Journal. Die Zeitung ist eine der wenigen, die Inhalte schon seit Jahren mit Erfolg im Internet verkauft.
Momentan setzt der Verlag auf eine Mischlösung. Einige Inhalte sind frei verfügbar, andere nicht. Eventuell wird Murdoch auch Google von seinen Seiten verbannen und eine Kooperation mit Microsofts Suchmaschine Bing eingehen.

Man kann sich wohl jedenfalls auf den Abschied von der klassischen Tageszeitung einstellen. Das hat nicht zuletzt Nelson Muntz von den Simpsons erkannt.

Wie lange es noch dauert, bis die Auflagen so niedrig werden, dass sich der Druck nicht mehr lohnt, ist ungewiss. Fest steht, dass sich besonders die jungen Menschen in Richtung Internet orientieren und da man heute mit dem Internet aufwächst und die Vorteile zu schätzen lernt, ist zu erwarten, dass es ein sehr schwieriges Unterfangen wird, in Zukunft junge Leser zu erreichen.

(LP)

6 Kommentare

  1. Thorben 24. November 2009

    Guter Artikel!
    Aber ich glaube nicht, dass die Zeitung so schnell abgelöst werden wird. Sicher werden einige sterben, aber die übriggebliebenen können vllt. einen gewissen Atraktivitätswert beibehalten. Ich hoffe es, denn ich lese gerne Zeitung beim frühstücken :D

  2. Gunnar 24. November 2009

    Der Artikel ist argumentativ sehr interessant und auch gut strukturiert.
    Allerdings meine ich, dass der wesentliche Nachteil von gedruckten Zeitungsausgaben, nämlich der fehlende Aktualitätsbezug, durch einen bedeutenden Vorteil zumindest teilweise kompensiert wird. Zeitungen sind ohne Hardware räumlich unabhängig nutzbar (z.B. beim Frühstück, in der Pause am Arbeitsplatz, im Auto etc.). Außerdem bieten Zeitungsredaktionen nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern dienen vor allem auch der Reflektion von Ereignissen. Insofern ist zu erwarten, dass die redaktionell anspruchsvollen Beiträge zukünftig nur noch als “pay per view” im Internet verfügbar sein werden, womit einer der wesentlichen Vorteile des Internets “unentgeltlich redaktionelle Inhalte abzugreifen” verloren gehen wird.

  3. Simon 26. November 2009

    Ein wirklich guter Artikler, dessen Bewertung ich denen überlasse, die etwas von der Materie verstehen.
    Trotzdem werde ich mich jetzt mit der 276. Ausgabe meines Jahresabbos des Hamburger Abendblattes zusammensetzen und sie mit viel Freude beim Frühstück lesen.

  4. Andre 9. Januar 2010

    Hmmm… Ich glaube, dass das eher Wunschdenken ist und ein Teil der Argumentation ist auch nicht ganz schlüssig. Zumindest ist das hier doch ein Beispiel dafür, dass Internetjournalismus oft nur oberflächlich ist. (sein kann). Beim Aufkommen der Kinos hat man die Theater für tot erklärt, die Erfindung der Fernsehers sollte dann die Kinos um die Ecke bringen, das haben dann Video und DVD auch gleich nochmal erledigt, bzw. eben nicht geschafft. Die Erfindung der Schallplatte galt als Todessignal für die Livemusik. Man sieht… manchmal kommt es anders als man denkt.
    Der Wust an Informationen im Internet, die unklaren Quellen, oft untalentierte oder unerfahrene Schreiber und eben das Fehlen des Habtischen, sind Nachteile.
    Ich denke, dass die Diskussion sich irgendwann legen wird und beide Formate (ergänzend) existieren können.

  5. Hannes 30. Januar 2010

    koexistive dissonanz
    - witzig finde ich, dass ihr die Kommentarfunktion ansprecht, eure Kommentare aber vor Freigabe moderiert^^

  6. bargteheide AKTUELL 31. Januar 2010

    Wir moderieren die Kommentare aus rechtlichen Gründen, nicht um Kritik o.ä. zu unterbinden.

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