Was war vor 50 Jahren in Stormarn wichtig? Im Kreisarchiv Stormarn ist alles präsent. Ein Blick in das Gedächtnis des Kreises.
Heute Teil 2 der fünfteiligen Serie.
Bad Oldesloe: „Jersfeldniegen“ und „Travenlau“ waren zwei Vorschläge für neue Großgemeinden, die im Zuge der kommunalen Neuordnung entstehen sollten. Mit wem will ich zusammengehen und wie will ich dann heißen? Vor diesen Fragen standen in den 70er-Jahren viele Orte im Kreis Stormarn, die sich auf Wunsch des Landes vor dem Hintergrund einer kommunalen Neuordnung mit anderen Gemeinden zusammenschließen sollten.
Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich die Struktur des Kreises stark verändert. Aus dem ehemals landwirtschaftlich geprägten Gebiet sind nach und nach Industriestandorte und Wohnsiedlungen geworden, die die Landwirtschaft weitgehend verdrängt haben. Angesichts eines stetigen Wachstums der Bevölkerung waren Kleingemeinden den Aufgaben bei Verwaltung und Infrastruktur nicht mehr gewachsen.
Durch Fusion sollten Synergien genutzt werden – auf freiwilliger Basis. Ziel war die Stärkung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden. Zugleich sollten die neuen Gemeindegebiete so bemessen sein, dass die örtliche Verbundenheit der Einwohner gewahrt blieb. So verringerte sich die Zahl der Gemeinden in Stormarn bis 1978 von 70 auf 55.

Amtsverwaltung: „Haus am Schüberg“
Tagungs- und Bildungszentrum der Nordelbischen Kirche: Unterzeichnung des Grenzänderungsvertrages zur Vereinigung von Hoisbüttel und Bünningstedt: Bürgermeister Günter Schmidt aus Bünningstedt beim Unterzeichnen im Beisein von Bürgermeister Ewald Schulz aus Hoisbüttel, dem Stellvertreter Manfred Raeder, Amtskämmerer Bremer und Amtsverwaltungsleiter Otto Dudat
sitzend v.r.n.l.: Günter Schmidt, Ewald Schulz, Manfred Raeder; stehend v.r.n.l.: Otto Dudat, N.N.
Die Neubildung von Ammersbek
Hoisbüttel und Bünningstedt arbeiteten schon seit 1953 im Amt Bünningstedt zusammen, ehe 1971 der Entschluss fiel, sich zu einer neuen Gemeinde zusammenzutun. „Ein Zusammenschluß der Gemeinden Bünningstedt und Hoisbüttel würde die Effektivität des Raumes
und der Verwaltung erhöhen“, hält das Amt für Kommunalaufsicht in einem Protokoll vom 26.4.1971 fest. Sieben Jahre dauerte der Findungsprozess, der am 1.1.1978 mit der Bildung der Gemeinde Ammersbek endete. Den Auftakt für die Überlegungen hatte laut „Stormarner Nachrichten“ eine gemeinsame Rundfahrt durch beide Orte im Jahr 1972 gebildet. Bedingung war, dass die Grundschulen in beiden Orten erhalten blieben, ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren.
„Die Gemeindevertretungen der Gemeinden Bünningstedt und Hoisbüttel haben den Zusammenschluß der Gemeinden zum 1. Januar 1978 beschlossen“, hält das Sitzungsprotokoll des Kreisausschusses vom 28. Februar 1977, das im Kreisarchiv bewahrt wird, fest. „Der Grenzänderungsvertrag wurde am 27. Januar 1977 unterzeichnet.“ Der Innenminister hatte bereits im Sommer 1976 zugestimmt. Im März 1977 stimmte auch der Kreistag dafür. „Kreistag billigte Ehen der Gemeinden“ titelte daraufhin die Ahrensburger Zeitung vom 23. März.
Ganz harmonisch war die Eheschließung nicht. „Wie bereits kurz berichtet, stimmten beide CDU- Fraktionen geschlossen für den Grenzänderungsvertrag und damit für den Zusammenschluß.
Beide FDP-Fraktionen und die Bünningstedter SPD waren dagegen“, so die „Stormarner Nachrichten“ am 14.1.1977 über die gemeinsame Gemeindevertretersitzung von Hoisbüttel und Bünningstedt. „Auch das Kreuz als Symbol der Christenheit konnte kein Abkühlen der erhitzten Gemüter bewirken“, schrieb der Journalist – die Sitzung fand im kirchlichen Gemeindesaal statt, der auch für die Gottesdienste genutzt wurde. Die SPD war eigentlich auch für eine Zusammenlegung, störte sich aber am neuen Namen Ammersbek.
Schwierige Namensfindung
Die Namensfindung stellte auch für andere Neugemeinden ein Problem dar. Die „Stormarner Nachrichten“ berichteten 1976 unter der Überschrift: „Bürgermeister fragen: Ist das ein Witz?“ über eine amtliche „Kreisgemeindenamen-Festsetzungsverordnung“, die kombinierte Namen vorschrieb. „Ein Beispiel: Tralau und Travenberg, die sich als neue Gemeinde eigentlich Travenbrück nennen wollten, werden als Travenlau bezeichnet werden.“ Sehr eigenartige Namen seien auch im Süden des Kreises zu erwarten. Tremsbüttel, Todendorf und Hammoor würden zu „Todenbüttelmoor“, Bargfeld-Stegen, Nienwohld und Jersbek zu „Jersfeldniegen“. Auch an ein Bünningsbüttel werde man sich gewöhnen müssen.
Musste man aber nicht, die Verordnung konnte sich nicht durchsetzen. Schließlich wurde es Ammersbek, nach einem Bach im Ort. Ganz vereinigt ist der Ort bis heute nicht: So gibt es nach wie vor drei verschiedene Vorwahlen: 040 für Lottbek und Hoisbüttel, 04102 für Bünningstedt und Daheim/Heimgarten sowie 04532 für Rehagen/Schäferdresch.
Im Zuge der Neuordnung wurde auch die Zahl der Ämter in Stormarn auf fünf reduziert. Im Raum des heutigen Norderstedt wurden die stormarnschen Gemeinden Harksheide und Glashütte mit der 1970 per Landesgesetz gebildeten Stadt Norderstedt dem Kreis Segeberg zugeschlagen.
















