StolenMemory: Ausstellung über persönliche Gegenstände von KZ-Häftlingen in Trittau

0

Die Arolsen Archives eröffnen am Donnerstag, 2. April, in Trittau die Open-Air Wanderausstellung #StolenMemory. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten Effekten an Familien der Opfer zurückzugeben.

Zu sehen ist die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container auf dem Europaplatz. Der Runde Tisch Trittau hat die Arolsen Archives eingeladen nach Trittau zu kommen.

„Effekten“ sind persönliche Gegenstände, die Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände an die Angehörigen. Über 1.000 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten.

Das Ziel der Ausstellung: Aufmerksamkeit und Unterstützung

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegen­stände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer*innen und den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher*innen über QR-Codes Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jede*r kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Ver­folgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke rund 2.000 Personen aus ganz Europa auf.

Der emotionale Wert der Effekten

„Viele NS-Opfer hinterließen ihren Familien keine persönlichen Gegenstände, weil die Nazis ihnen alles nahmen“, so Charlotte Meiwes, Projektleiterin für #StolenMemory bei den Arolsen Archives. Dass die Effekten erhalten geblieben sind, sei für die Angehörigen deswegen überraschend: „Einige von ihnen erfahren neue Informationen über diesen Lebensabschnitt ihrer verfolgten Familienmitglieder“. Deshalb sei es so wichtig, die Familien zu finden und ihnen die Gegenstände zu übergeben.

Die Ausstellung findet also jetzt ihre Fortsetzung in Trittau
„Auch in Trittau besteht ja die Möglichkeit, dass Familien gefunden werden“, erklärt Kerstin Kuhlmann-Schultz vom Runden Tisch Trittau. Wichtig sei aber auch, an die Zeiten zu erinnern, die Millionen Menschenleben gekostet haben. „Wir sehen, was gerade wieder in der Welt los ist und wir wollen auf keinen Fall, dass sich das wiederholt. Die Ausstellung dient deshalb auch als Mahnung.“

Trittaus Bürgermeister Ollie Mesch zur Ausstellung: „#StolenMemory führt uns vor Augen, dass die NS-Verbrechen nicht aus anonymen Zahlen bestanden, sondern aus geraubten Leben, geraubter Würde und getilgter Erinnerung. #StolenMemory gibt den Menschen ihre Würde zurück. Und die Ausstellung setzt gerade in Zeiten von Geschichtsvergessenheit, rechter Hetze und Menschenfeindlichkeit ein klares Zeichen: Wir erinnern nicht still und beiläufig, sondern stellen uns gegen jede Form der Relativierung und des Vergessens. Sie mahnt uns, Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus entschlossen entgegenzutreten. Vielen Dank an den Runden Tisch Trittau, der sich nicht nur mit dieser Ausstellung dafür einsetzt.“

Ausstellung und Website

Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung mit mittlerweile vier Containern durch Deutschland und aktuell auch durch Polen und Frankreich. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Finanziert werden die Arolsen Archives und auch die Wanderausstellungen in Deutschland durch das Auswärtige Amt.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org interessante Einblicke: Kurze, animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schick­salen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet.  Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungs­einrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann.

Wo: Trittau, Europaplatz

Wann: 3. bis 21. April 2026

Öffnungszeiten: täglich 9 bis 18 Uhr

Eröffnung: 2. April, 17 Uhr

Link zur Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

Kommentar schreiben (erst nach Moderation sichtbar)

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

*