Die Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses* ziehen eine Zwischenbilanz zur aktuellen Situation am Ausbildungsmarkt in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Sie appellieren an die Jugendlichen: „Das Ausbildungsangebot ist in großer Breite und Anzahl vorhanden! Wichtig ist bei der Berufswahl und Ausbildungssuche: Flexibel sein und Alternativen in Betracht ziehen. Dann sind die Chancen, für dieses Jahr eine Ausbildungsstelle zu finden, gut.“ Positiv für die ausbildenden Unternehmen: Es gibt auf Seiten der Jugendlichen wieder ein stärkeres Interesse an der dualen Ausbildung.

Bis zum April haben sich über die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg betrachtet mehr ausbildungsinteressierte Jugendliche als in den zurückliegenden Jahren bei der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe gemeldet. 1.694 junge Menschen sind für den Ausbildungsstart im Herbst 2026 auf die Berufsberatung der Arbeitsagentur zugegangen. Dies sind 237 oder 16,3 Prozent mehr als im April des Vorjahres.
Im Kreis Stormarn sind es bislang 1.012 Ausbildungsbewerberinnen und – bewerber, 312 mehr als im April des Vorjahres und damit ein deutliches Plus. Ein Rückgang hingegen findet sich im Kreis Herzogtum Lauenburg. Nach einem deutlichen Plus im Vorjahr sind es aktuell mit 682 Jugendlichen 75 weniger Ausbildungssuchende als im Vorjahresmonat.
Beim Lehrstellenangebot liegt die Zahl der bei der Arbeitsagentur bislang gemeldeten Ausbildungsstellen mit insgesamt 1.984 (Stormarn 1.187, Herzogtum Lauenburg 797) um 139 oder 6,5 Prozent unter der des Vorjahres. Davon sind aktuell noch 1.108 Ausbildungsstellen unbesetzt (Stormarn 638, im Kreis Herzogtum Lauenburg 470). Gleichzeitig sind 1.013 Bewerberinnen und Bewerber (Stormarn 620, Herzogtum Lauenburg 393) weiter auf der Suche nach einer Lehrstelle.
Kathleen Wieczorek, Chefin der Oldesloer Agentur für Arbeit, sagt zur Entwicklung bei den Ausbildungsbewerberinnen und -bewerbern: „Erfreulich ist, dass sich wieder zunehmend mehr junge Menschen für den Berufseinstieg über die duale Ausbildung interessieren. Die Unternehmen brauchen sie als angehende Auszubildende und im Anschluss an die Ausbildung als qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Trotz des zugenommenen Interesses auf Seiten der Jugendlichen überwiegt die Zahl der Ausbildungsangebote. Es warten noch viele freie Ausbildungsplätze auf Bewerbungen, über die Hälfte der gemeldeten Ausbildungsstellen sind noch nicht besetzt. Jeder fehlende Azubi heute ist eine fehlende Fachkraft von morgen.“
Für die erfolgreiche Ausbildungssuche der Jugendlichen ist aus Sicht der Agenturchefin wichtig: „Auch Alternativen überlegen und sich so bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle breiter aufstellen. Es gibt Berufe wie zum Beispiel Kaufmann / – frau Büromanagement oder Kfz-Mechatronikerin oder -Mechatroniker, die auf der Wunschliste der Jugendlichen regelmäßig ganz oben stehen, für die es jedoch meistens nicht ausreichend Ausbildungsangebote für alle gibt. Hier sollte man berufliche Alternativen in Betracht ziehen. Flexibilität erhöht die Chancen. Nutzt die Vor-Ort-Angebote, unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater erreicht ihr in euren Schulen. Sie beraten und unterstützen euch bei den Überlegungen, persönliche Alternativen für einen Berufseinstieg zu finden.“
Unter den jungen Menschen aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die sich bereits in einer Berufsausbildung befinden, wird die Gruppe derer mit ausländischer Staatsangehörigkeit stetig größer. Ihre Zahl unter den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Auszubildenden ist erneut gewachsen. „Zum 30. September 2025 waren unter den 4.460 Auszubildenden, die im Kreis Stormarn wohnen, 688 mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. Ihre Zahl hat damit zum Vorjahr um weitere 68 oder elf Prozent zugenommen. Vor drei Jahren waren es noch 466“, sagt die Chefin der Arbeitsagentur. „Eine ähnliche Entwicklung findet sich auch im Herzogtum: Hier waren es im September 2025 503 dort wohnende Azubi mit einer anderen als der deutschen Staatsangehörigkeit in einem sozialversicherungspflichtigen Berufsausbildungsverhältnis, ein Plus von 39 oder 8,4 Prozent zum Vorjahr. Vor drei Jahren lag deren Zahl noch bei 386. Ihre in beiden Kreisen gestiegene Zahl hat den Rückgang bei den deutschen Jugendlichen (Stormarn von 2022 zu 2025 minus 34, Herzogtum Lauenburg minus 127) aufgefangen.“
Nina Bahlo, Teamleiterin Nachwuchsgewinnung bei der Handwerkskammer Lübeck, blickt positiv auf den aktuellen Stand im Handwerk: „Das Handwerk erfreut sich wachsender Beliebtheit bei jungen Menschen. Die Handwerkskammer Lübeck verzeichnet für das erste Halbjahr einen deutlichen Anstieg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es noch viele freie Stellen für motivierte Bewerberinnen und Bewerber. Wir empfehlen jungen Menschen, frühzeitig durch ein Praktikum den eigenen Berufswunsch zu erkunden. Das hilft ihnen, den Beruf sowie den Betrieb näher kennenzulernen. Aktuell können Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein für ein freiwilliges Praktikum in den Ferien im Handwerk die Praktikumsprämie von 120 Euro pro Woche beantragen. Wir ermutigen sie, verschiedene Berufe auszuprobieren und sich nicht entmutigen zu lassen, wenn die erste Wahl nicht sofort klappt. Mit über 130 Ausbildungsberufen bietet das Handwerk vielfältige Perspektiven. Neben der Praktikumsprämie ist das Freiwillige Handwerksjahr ebenfalls eine tolle Möglichkeit, sich auszuprobieren.“
Für die Kreishandwerkerschaft Stormarn ergänzt Geschäftsführer Marcus Krause: „Das Stormarner Handwerk kann zum heutigen Stichtag das gleiche hohe Ausbildungsniveau wie im vergangenen Jahr verzeichnen. Dies führen wir weiterhin vor allem auf die hohe Ausbildungsbereitschaft der Stormarner Handwerksbetriebe zurück und der stetig konstanten Nachwuchswerbung in Verbindung mit unserem Auftritt in den sozialen Netzwerken via Instagram (handwerk-stormarn).“ Unverändert gäbe es in allen Berufen aber freie Ausbildungsstellen, welche jederzeit noch besetzt werden.
Auch die Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg verzeichnet für das Ausbildungsjahr 2026 einen positiven Trend: Aktuell wurden bereits 100 neue Lehrverhältnisse eingetragen. Damit zeige sich erneut, dass das Handwerk für viele junge Menschen eine attraktive und zukunftssichere Berufsperspektive böte, so Susanne Bendfeldt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg.
Um dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken, setze die Kreishandwerkerschaft weiterhin gezielt auf die Förderung des handwerklichen Nachwuchses. Gemeinsam mit Schulen, Berufsberatungen und regionalen Betrieben werden Ausbildungsbörsen, Schulbesuche sowie Praktikumsangebote organisiert. Darüber hinaus beteilige sich die Kreishandwerkerschaft aktiv an regionalen Ausbildungsmessen und entwickelt moderne Informationskampagnen, um Jugendliche frühzeitig für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern.
Besonders attraktiv gestaltet sich das Ausbildungsangebot in den Berufen Tischler, Friseur und Maler: Hier besteht die Möglichkeit, die Ausbildung entweder über das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) zu beginnen und anschließend direkt in das zweite Lehrjahr einzusteigen oder den klassischen Weg mit dem ersten Ausbildungsjahr im Betrieb zu wählen. Diese Flexibilität eröffnet jungen Menschen unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten und erleichtert den Start in eine handwerkliche Laufbahn.
„Die aktuellen Ausbildungszahlen zeigen, dass das Handwerk auch 2026 eine starke Zukunftsperspektive bietet. Mit den inzwischen 100 neu eingetragenen Lehrverhältnissen sehen wir ein wichtiges Signal für die Zukunft unserer regionalen Betriebe. Ausbildung bleibt das Fundament unseres Handwerks und ein entscheidender Baustein zur Sicherung qualifizierter Fachkräfte“, sagt Bendfeldt.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck verzeichnet zum Stichtag Ende April 2026 insgesamt 937 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Dies entspricht einem Rückgang von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
„Hier ist noch deutlich Luft nach oben“, betont Sebastian Grothkopp, Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK zu Lübeck. „In den kommenden Monaten wird erfahrungsgemäß ein Großteil der Ausbildungsverträge für den Start 2026 abgeschlossen. Viele Bewerbungsverfahren laufen derzeit noch. Eine belastbare Bewertung der Gesamtsituation ist daher erst zum Jahresende möglich.“
Gleichzeitig macht die IHK auf eine strukturelle Besonderheit aufmerksam: „Für die Ausbildungsbetriebe stellt sich die Situation in diesem Jahr deutlich herausfordernder dar als im Vorjahr. Durch die Umstellung von G8 auf G9 fehlt in Schleswig-Holstein fast ein kompletter Abiturjahrgang. Insgesamt rechnen wir mit rund 5.500 weniger Schulabgangsschülern“, so Grothkopp.
Die IHK zu Lübeck appelliert daher an Unternehmen und Jugendliche gleichermaßen, die Chancen der dualen Ausbildung aktiv zu nutzen. „Unsere Ausbildungsbetriebe benötigen dringend Nachwuchs, um ihren Fachkräftebedarf langfristig zu sichern. Gleichzeitig bieten sich jungen Menschen hervorragende Perspektiven. Entscheidend ist, dass beide Seiten jetzt zusammenfinden. Dazu gehört auch, dass Unternehmen ihre Ausbildungsangebote noch stärker sichtbar machen und gezielt um Nachwuchs werben“, so Grothkopp weiter.
Die Berufsbildungszentren (BBZ) in Ahrensburg, Bad Oldesloe und Mölln sind in der Region verlässliche Partner und bieten während der Berufsausbildung in einer Vielzahl von attraktiven, dualen Ausbildungsberufen, von Anlagenmechaniker/-innen Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik über Kaufleute im Büromanagement bis zu Zerspanungsmechaniker/-innen, den Berufsschulunterricht an. Und wenn noch ein allgemeinbildender Schulabschluss fehlt, dann können die Auszubildenden während der Berufsausbildung den Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA), den Mittlerer Schulabschluss (MSA) oder die Fachhochschulreife erlangen. Ein wichtiger Bestandteil ist auch das Bildungsangebot im sozialpädagogischen Bereich (Pflegeassistent/-in, Sozialpädagogische/-r Assistent/-in, Erzieher/-in, Heilerzieher/-in), mit dem die drei BBZ das Gewinnen von Nachwuchsfachkräften zum Beispiel zugunsten von Kindertageseinrichtungen und dem offenen Ganztag unterstützen.
Alle drei Berufsbildungszentren bieten mit ihren Netzwerkpartnern unterschiedliche Maßnahmen zur Berufsorientierung an, in denen sich Schülerinnen und Schüler nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule und ohne Ausbildungsplatz in der Ausbildungsvorbereitung in interessante Berufsfeldern auch praktisch ausprobieren können. Da das erfolgreiche Absolvieren einer Berufsausbildung häufig ein Garant für ein zufriedeneres und selbstbestimmteres Leben ist, ist die Vermittlung in Praktika und Berufsausbildungen ein primäres Ziel. Darüber hinaus bieten die drei BBZ für Interessierte erfolgreiche Ausbildungsmessen an, auf denen örtliche Ausbildungsbetriebe und Schüler/-innen ins Gespräch kommen, Praktika vereinbaren oder Ausbildungen anbahnen können (nächste Termine: Ahrensburg 26. Februar 2027, Bad Oldesloe 24. September und Mölln 19. November).
„Aufgrund des Wettbewerbes und der teilweisen sehr nahen Lage zu Hamburg bleibt es eine Herausforderung, junge Menschen mit attraktiven Angeboten in der Region zu halten. Hierfür sind kurze Wege zur Berufsschule ein wichtiger Faktor. Zusätzlich wird in diesem Jahr der Effekt auftreten, dass wegen des Wechsels von G8 auf G9 etliche Schülerinnen und Schüler an Gymnasien erst ein Jahr später ihr Abitur ablegen und damit erwartbar weniger Schulabsolventen/Schulabsolventinnen mit einer Berufsausbildung beginnen“, so Johannes Kahlke (Schulleiter BBZ Ahrensburg), Kai Aagardt (Schulleiter BBZ Bad Oldesloe) und Ulrich Keller (Schulleiter BBZ Mölln). „Das Gewinnen von Nachwuchsfachkräften unterstützen die BBZ dabei nicht nur zugunsten der Ausbildungsbetriebe in der Region, sondern auch bezogen auf den eigenen Berufsschullehrkräftenachwuchs. In den kommenden Jahren wird die große Gruppe von Berufsschullehrkräften in den Ruhestand gehen, die als „Babyboomer“ in den letzten Jahrzehnten wertvolle Bildungsarbeit geleistet haben. Diese vorausschauend und nahtlos zu ersetzen wird eine große Herausforderung für die BBZ sein, da der derzeit landesweit anhaltende Rückgang von Schüler/-innen an berufsbildenden Schulen die Planstellensituation vor Ort verschlechtert und damit die einzelnen Standorte unattraktiver werden.“
*Hintergrund-Info:
Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses sind die Kreishandwerkerschaften Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Handwerkskammer Lübeck, die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, die Beruflichen Schulen aus den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Schulämter der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Jobcenter Stormarn und Herzogtum Lauenburg, der Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe sowie die Agentur für Arbeit Bad Oldesloe.
















