Kreisverwaltung will kostenlose Schülerbeförderung streichen

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Auf die Eltern kommen Kosten von mehr als 250 Euro pro Kind und Jahr zu.
Bad Oldesloe. Die Kreisverwaltung Stormarn schlägt mit der Sitzungsvorlage 2026/6065
vor, die bisher kostenfreie Schülerbeförderung für 8.198 Kinder und Jugendliche zu
beenden. Ab dem Schuljahr 2027/28 sollen auch die bisherigen Listenschülerinnen und
Listenschüler ein Drittel des Deutschlandticketpreises selbst tragen. Nach heutigem Stand
wären das 21 Euro monatlich – also 252 Euro pro Kind und Jahr.
Für eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern würde die neue Belastung bereits 504
Euro jährlich betragen. Betroffen wären insbesondere Familien im ländlichen Raum, deren
Kinder wegen längerer Schulwege und fehlender Schulen am Wohnort zwingend auf Bus
und Bahn angewiesen sind.


Die SPD-Kreistagsfraktion Stormarn reagiert empört auf den Verwaltungsentwurf und
kündigt einen Änderungsantrag an. Die Fraktion fordert, dass alle 8.198 Schülerinnen und
Schüler, die ihre Fahrkarte bisher kostenfrei erhalten, auch weiterhin kostenfrei zur Schule
fahren. Zugleich soll der Eigenanteil für die derzeit 3.298 Selbstzahlerinnen und
Selbstzahler von 43 Euro auf 21 Euro monatlich sinken. Das Angebot soll auch
Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 10 bis 13 offenstehen.
„Mehr als 8.000 Kinder sollen künftig bezahlen, damit der Kreishaushalt entlastet wird. Das ist sozial ungerecht und trifft gerade die Familien, die sich ihren Wohnort oder die
Entfernung zur nächsten Schule nicht aussuchen können. Wir können und wollen den
Kreishaushalt nicht auf Kosten der Kinder und Eltern sanieren.“
Frank Schmalowsky, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Stormarn und SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Stormarn-Mitte für die Landtagswahl 2027
Ländlicher Raum darf nicht benachteiligt werden
Die SPD kritisiert insbesondere, dass die geplante Pauschale den notwendigen Schulweg
mit einer freiwilligen Nutzung des Deutschlandtickets gleichsetzt. Kinder und Jugendliche,
die im ländlichen Raum keine passende Schule am Wohnort haben, benötigen die
Fahrkarte nicht als Freizeitangebot, sondern um ihrer Schulpflicht nachkommen zu
können. Der Wohnort dürfe deshalb nicht zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung
führen.
„Gute Bildung von Anfang an ist der Schlüssel für Chancengerechtigkeit, gute Arbeit und
gesellschaftliche Teilhabe. Diese Chancengerechtigkeit beginnt nicht erst im Klassenraum,
sondern bereits auf dem Weg zur Schule. Ein Kind in einer ländlichen Gemeinde darf nicht
schlechter gestellt werden als ein Kind, das seine Schule zu Fuß erreichen kann“, so
Schmalowsky.

SPD legt sozial ausgewogenen Kompromiss vor
Die SPD unterstützt grundsätzlich das Ziel, den bisherigen Eigenanteil von 43 Euro deutlich zu senken und mehr Schülerinnen und Schüler für Bus und Bahn zu gewinnen. Ihr Vorschlag verbindet deshalb zwei Ziele: Die notwendige Schülerbeförderung bleibt für die bisherigen Listenschülerinnen und Listenschüler kostenfrei; alle übrigen
Vollzeitschülerinnen und Vollzeitschüler erhalten das Deutschlandticket für derzeit 21 Euro
monatlich.
Nach den Unterlagen der Verwaltung fließen dem Kreis über die Verkehrsverträge rund 80
Prozent der Einnahmen aus den ausgegebenen Tickets wieder zu. Steigt die Nachfrage
nach dem vergünstigten Ticket deutlich, können die finanziellen Auswirkungen für den
Kreishaushalt entsprechend sinken. Die SPD erwartet, dass ein Preis von 21 Euro erheblich mehr junge Menschen zur Nutzung des Deutschlandtickets bewegt.
„Unser Antrag ist ein fairer Kompromiss: Niemand verliert einen bisherigen Anspruch auf
kostenfreie Beförderung, und gleichzeitig werden diejenigen entlastet, die heute noch 43
Euro zahlen müssen. So stärken wir Familien, den ländlichen Raum und den öffentlichen
Nahverkehr“, erklärt Schmalowsky.
Die SPD-Kreistagsfraktion wird ihren Änderungsantrag in die Beratungen des
Verkehrsausschusses einbringen. Bis zu einer politischen Entscheidung handelt es
sich bei der Regelung der Kreisverwaltung um einen Vorschlag, nicht um einen bereits
gefassten Beschluss.

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