Enthüllung am 9. November um 16 Uhr an der Hamburger Straße 1 neben dem Utspann
Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende erhält ein wenig bekanntes Kapitel der Bargteheider Ortsgeschichte einen sichtbaren Ort der Erinnerung: Am Montag, 9. November 2026, um 16 Uhr wird neben dem Utspann (Hamburger Straße 1) eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Todesmarsch von KZ-Häftlingen durch Bargteheide enthüllt.

Zu den Rednerinnen und Rednern gehören die Bürgermeisterin, Mitglieder der Geschichtswerkstatt Bargteheide e.V., zwei Schülerinnen der Anne-Frank-Schule sowie der Enkel eines ehemaligen KZ-Häftlings aus Neuengamme. Sein Beitrag ergänzt die historische Darstellung um eine zutiefst menschliche Dimension.
Die mehr als zwei Meter hohe, 130 Kilogramm schwere Tafel informiert über ein Geschehen in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945, das vielen Menschen in Bargteheide bis heute nicht bekannt ist. Ende April 1945 wurden etwa 250 Häftlinge des Konzentrationslagers Neuengamme von der SS auf einen Todesmarsch durch Stormarn getrieben. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai übernachteten sie in einer Scheune, die auf dem heutigen Gelände zwischen Utspann und Jugendzentrum stand. Die Menschen waren erschöpft, ausgehungert und ihrer Freiheit beraubt. Sie erlebten auf diesem Weg die letzte Phase ihrer Verfolgung und ihres Leidens. Viele Häftlinge waren unterwegs schon zu Tode gekommen.
„Der Todesmarsch führte durch unseren Ort. So gehört die Erinnerung daran auch zur Ortsgeschichte“, so Ruth Kastner, Vorsitzende der Geschichtswerkstatt Bargteheide. „Mit der Gedenktafel wollen wir über das Geschehen informieren, aber auch einen Anstoß geben, sich eigene Gedanken zu machen.“
Das Projekt wurde von der Geschichtswerkstatt Bargteheide e.V. initiiert. Nachdem ein Marsch zum Gedenken im April 2025 mit mehr als 300 Teilnehmenden auf großes Interesse gestoßen war, entstand der Wunsch, einen dauerhaften Ort des Erinnerns in Bargteheide zu schaffen. In einer eigens gegründeten Arbeitsgemeinschaft wurde das Vorhaben unter der Leitung von Johann Kutsche über mehrere Monate hinweg entwickelt und vorbereitet. Einhellige Unterstützung gibt es von der Bargteheider Politik und Verwaltung. Die gestalterische Umsetzung des Konzepts erfolgte gemeinsam mit der Hamburger Agentur gwf-ausstellungen. Ermöglicht wurde die Realisierung durch die Förderung der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, den Demokratiefonds der Stadt Bargteheide und durch private Spenden. „Noch sind allerdings nicht alle Kosten gedeckt. Deshalb freuen wir uns über weitere Spenden, die helfen, das Projekt vollständig zu finanzieren“, so Kastner.
Warum nach 80 Jahren noch an etwas erinnern, das doch lange vorbei ist? Kann man das nicht endlich ruhen lassen? Diese Frage begegnet der Geschichtswerkstatt immer wieder. Dabei geht es bei dem Projekt nicht darum, alte Geschichten wieder aufzuwärmen. Es geht darum, nicht zu vergessen, was Menschen anderen Menschen antun können – und wohin Ausgrenzung, Menschenverachtung und Gleichgültigkeit führen können.
Geschichte hat nicht irgendwo weit weg stattgefunden, sondern auch mitten unter uns in Bargteheide. Erinnerung hilft uns, hinzuschauen, wenn Menschen ausgegrenzt, entrechtet oder entwürdigt werden. Die Gedenktafel soll deshalb nicht nur an das Leid der damaligen Häftlinge erinnern, sondern auch einen Bezug zur Gegenwart herstellen und zum Nachdenken anregen.















