„In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich Hakenkreuze an Mülltonnen, Nazisticker oder rechte Schmierereien tatsächlich schon immer mal gesehen hatte. Doch ich hatte sie einfach ignoriert. Plötzlich war das anders. Plötzlich hatte das Ganze einen grausamen Bezug zu meiner Lebenswirklichkeit. Einen Bezug zu Freund*innen wie Mustafa.“
Mit diesen Worten beschreibt der heute 23-jährige Autor Jakob Springfeld in seinem Buch den Beginn seines politischen Engagements in seiner sächsischen Heimatstadt Zwickau. Bereits als Jugendlicher engagierte er sich gegen Rechtsextremismus und das in einem Umfeld, das in großen Teilen rechte Gewalt unterstützte, verharmloste oder schweigend hinnahm.
Jakob Springfeld organisierte sich mit Gleichgesinnten in einer Antifa-Gruppe. Er lief auf Demonstrationen mit, hielt Reden und sorgte dafür, dass den Opfern des NSU-Terrors der 1990er Jahre gebührend gedacht wurde. Den Preis, den er dafür zahlen musste: Beleidigungen, offener Hass und Gewaltandrohungen. Und somit kämpfte er nicht nur gegen rechte Gewalt, sondern auch gegen seine eigene Angst an, wie der Autor offen zugibt.
Mit seinem Buch „Unter Nazis. Jung ostdeutsch, gegen Rechts“ ermutigt der Autor junge Menschen, sich ebenfalls für Vielfalt, Toleranz und demokratische Werte stark zu machen.
Für sein Engagement wurde Jakob Springfeld, der aktuell Politikwissenschaften in Halle (Saale) studiert, mit der Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte ausgezeichnet. ZEIT-Campus hat ihn zu den 100 wichtigsten Ostdeutschen ernannt.
Eine eindrucksvolle Lesung erlebten die Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Bargteheide, als der Autor und Aktivist Jacob Springfeld („Unter Nazis“) auf Einladung der Demokratie-AG am 12.02. in der Aula zu Gast war. Federführend organisiert wurde die Veranstaltung von Lehrerin Tanja Plückhahn (Studienrätin), die damit ein starkes Zeichen für politische Bildung und demokratisches Engagement setzte. Gefördert wurde der Vortrag durch den Demokratiefonds der Stadt Bargteheide.

In Ihrer Begrüßung betonte Schulleiterin Beate Bergemann die Bedeutung kritischer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und verwies auf die gelebte Verpflichtung der Schule hinsichtlich ihres Namensgebers. Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung sei es wichtig, jungen Menschen Räume für Diskussion und Reflexion zu eröffnen, aber auch klar Haltung zu zeigen.
Vor Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 10 bis 12 las Springfeld eindringliche Passagen aus seinen Texten – unter anderem zu den Opfern des NSU-Terrors und zu den gesellschaftlichen Strukturen, die rechtsextreme Gewalt begünstigen. Besonders bewegend waren jene Stellen, in denen er die Ereignisse in seiner Heimatstadt Zwickau schilderte und persönliche Bezüge zu den Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ herstellte. Die Überschneidungen zwischen seinem eigenen Lebensweg und den Schauplätzen des NSU machten die abstrakten Schlagzeilen greifbar und sorgten für spürbare Betroffenheit im Publikum.
Im anschließenden Gespräch zeigten sich die Jugendlichen bestens vorbereitet und stellten differenzierte, engagierte Fragen – etwa zur Verantwortung von Zivilgesellschaft und Politik, zu persönlichen Konsequenzen von Engagement gegen Rechtsextremismus und zu den Herausforderungen, die mit öffentlicher Positionierung einhergehen. Der offene Austausch auf Augenhöhe machte deutlich, wie sehr die Themen die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer bewegen.
Am Ende stand der Eindruck, dass diese Lesung mehr war als eine schulische Pflichtveranstaltung. Sie war ein lebendiger Beitrag zur demokratischen Bildung und ein starkes Plädoyer dafür, Haltung zu zeigen.“
















