Mutmaßlich rechter Angriff am Bahnhof Bargteheide – Betroffene berichten von zunehmender Bedrohungslage

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Pressemitteilung des Autonomen Jugendhauses

In Bargteheide ist es in den vergangenen Tagen zu mehreren schweren Angriffen auf linke
Jugendliche gekommen. Innerhalb kurzer Zeit wurden drei Vorfälle bekannt, die nach
Einschätzung der Betroffenen und ihres Umfelds auf eine gezielte Serie rechter Gewalt
hindeuten.

Am Abend des 4. März wurden zwei Personen am Bahnhof Bargteheide von mehreren
maskierten Angreifern überfallen und verletzt. Die Betroffenen befanden sich auf dem
Rückweg, nachdem sie zuvor einen Lautsprecherwagen zurückgebracht hatten, der bei
einem Wehrpflichtstreik in Bargteheide genutzt worden war. Am Bahnhof wurden sie von
vermummten Tätern überrascht, die Handschuhe trugen und bewaffnet waren. Einer der
Angreifer führte ein Messer mit sich, ein weiterer eine Schusswaffe.

Als die Betroffenen versuchten, die Situation zu deeskalieren und ihre Hände hoben, wurden sie dennoch zu Boden geschlagen. Auch als sie bereits am Boden lagen, schlugen die Täter weiter auf sie ein. Einer der Betroffenen erlitt dabei Gesichtsverletzungen und blutete stark. Nach dem Angriff wurde umgehend die Polizei informiert, die den Vorfall aufnahm.

In der Nacht vom 6. auf den 7. März kam es zu einem weiteren Vorfall. Drei maskierte
Personen sprangen aus einem vorbeifahrenden Auto und bedrohten eine linke Person auf
offener Straße in Bargteheide. Die betroffene Person konnte über Seitengassen fliehen,
sodass vermutlich Schlimmeres verhindert wurde.

Am heutigen Abend, dem 12. März, ereignete sich gegen 19 Uhr ein weiterer Angriff im
direkten Umfeld des Autonomen Jugendhauses Bargteheide. Ein Jugendlicher war vom AJH aus in Richtung Eckhorst-Gymnasium unterwegs. Auf dem dortigen Parkplatz wurde er von zwei mit Sturmhauben vermummten Personen angegriffen. Ohne erkennbaren Anlass schlugen die Täter mehrfach auf sein Gesicht ein und verletzten ihn. Der Betroffene konnte sich schließlich losreißen, fliehen und zum AJH zurückkehren.

Wir gehen nicht davon aus, dass es sich bei diesen Vorfällen um Zufälle handelt, sondern
um eine gezielte Serie von Angriffen. Die Betroffenen vermuten, dass politisches Engagement sowie äußere Merkmale – etwa linke Klamotten – Anlass für die Angriffe waren.

Die aktuellen Ereignisse reihen sich in eine Serie von Vorfällen ein, die in den vergangenen Monaten in Bargteheide und Umgebung für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Dazu zählen unter anderem mehrere Brandstiftungen am Autonomen Jugendhaus im vergangenen Jahr, ein Einbruch mit Vandalismus im November sowie verschiedene Drohungen und Sachbeschädigungen mit mutmaßlich rechtem Hintergrund.

Beim Einbruch im November wurden Graffitis mit positivem Bezug zur AfD hinterlassen.
Kurz darauf ließen sich Lokalpolitiker der AfD provokativ vor dem AJH fotografieren und
heizten damit das ohnehin angespannte Klima weiter an. Seitdem kam es zu rechten Drohanrufen gegenüber linken Jugendlichen sowie zu vermehrtem rechten Vandalismus im Stadtgebiet. Die Bedrohungsszenarien folgen dabei häufig einem ähnlichen Muster: Die Täter treten in Überzahl auf, richten sich gezielt gegen jüngere Personen, und teilweise werden Waffen eingesetzt. Die nun erfolgten körperlichen Angriffe stellen eine weitere Eskalation dar. Offenbar testen rechte Akteure derzeit aus, wie weit sie mit ihren Straftaten gehen können. Ein breiter gesellschaftlicher oder medialer Aufschrei bleibt bislang jedoch aus. Auch die Polizei scheint die Bedrohung nicht ausreichend ernst zu nehmen. Ob rechter Vandalismus, Brandstiftungen, Bedrohungen oder Körperverletzungen – in den vergangenen Jahren konnte die Polizei in Bargteheide keinen einzigen Täter ermitteln.

Wir appellieren eindringlich an die lokale Polizei, die Politik und die Zivilgesellschaft, diese
Situation ernst zu nehmen. Es darf nicht sein, dass engagierte Jugendliche wegen ihres
politischen oder ehrenamtlichen Engagements in einem Jugendhaus auf offener Straße
angegriffen werden. Wir möchten außerdem Betroffene ermutigen: Wenn ihr Ähnliches erlebt habt, bleibt damit nicht allein. Sprecht mit Freundinnen, Freunden und Menschen aus eurem Umfeld. Es ist wichtig, solche Vorfälle öffentlich zu machen und sich gegenseitig zu unterstützen. Rechte Gewalt zielt darauf ab, Angst zu verbreiten und Menschen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Dem dürfen wir nicht nachgeben.
Diese Angriffe – ebenso wie die vorausgegangenen Brandstiftungen, Einbrüche und
Drohanrufe – haben offensichtlich das Ziel, uns einzuschüchtern. Wir stellen jedoch klar:
Diese Versuche werden keinen Erfolg haben. Wir werden als Gemeinschaft solidarisch
zusammenstehen und uns nicht einschüchtern lassen.

gez.
Autonome Jugendhaus Bargteheide e.V.

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