Ein Blick in das Gedächtnis des Kreises. Heute Teil 1 der fünfteiligen Serie.
Bad Oldesloe: „Erster Elektrobus Schleswig-Holsteins läuft für die Schleswag in Ahrensburg“ lautete am 23. September 1976 die Schlagzeile im „Stormarner Tageblatt“, das in dem Bus „das Fahrzeug der Zukunft“ sah. Die Fotos sind im Kreisarchiv Stormarn archiviert ist und zeigen einen Minibus, der für vier Jahre Bestandteil eines Versuchs der Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr (GES) war, die die neue Technik auch in Stormarn erproben wollte. „Getestet werden die 50 derzeit in der Bundesrepublik laufenden Elektro-Fahrzeuge von der GES, um dadurch Alternativen für die herkömmlichen, mit Mineralöl betriebenen Fahrzeuge zu schaffen“, schrieb der Journalist.
Denn damals wie heute brachten hohe Benzinpreise die Autofahrer in Bedrängnis. 1973 gab es die erste große Ölkrise, in der die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bewusst die Fördermengen drosselte. Am 25. November 1973 trat erstmals das Sonntagsfahrverbot in Kraft, das Spaziergänger in Scharen auf die Autobahnen zog.
Die Versuchsbeteiligung Ahrensburgs 1976 sollte „auch eine Antwort auf die Frage erbringen, ob der weitere Einsatz von elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen für die Schleswag sinnvoll und wirtschaftlich sei. Auf alle Fälle werde ein wesentlicher Beitrag zur Reinerhaltung der Luft im Bereich städtischer Ansiedlungen geleistet. Außerdem steuere die Schleswag dadurch einen sinnvollen Beitrag zur Substitution (Stellvertretung} des Erdöls durch Elektrizität bei, die aus importunabhängiger Kohle und ausreichend verfügbarer Kernenergie gewonnen werde“, so der Artikel weiter.
Batterie wog eine Tonne
Ein anderer Reporter zeigte sich von den technischen Möglichkeiten des E-Motors beeindruckt. Den hatten die deutschen Unternehmen Mercedes, Siemens und Bosch gemeinsam entwickelt. Für den Antrieb sorgte eine Spezial-Blei-Batterie von 180 Volt Spannung und mehr als einer Tonne Gewicht. Sie besetzte den Platz zwischen den Achsen. Das „macht das Fahrzeug, dessen Reichweite noch auf rund 60 Kilometer beschränkt ist, bis zu 70 Stundenkilometer schnell“, hielten die „Stormarner Nachrichten“ fest. „Schnelles Auftanken ist das Einschieben einer neuen Batterie. In Betriebspausen oder nachts kann der Transporter aus dem normalen Wechselstromnetz aufgeladen werden.“
Die Journalisten durften bei einer Probefahrt auch selber ans Lenkrad. „Wenn es sich auch zeitweise anhört, als sei ein Zahnarzt samt Bohrmaschine mit an Bord, der neue Bus fährt leise, sicher und dank fehlender Abgase auch umweltfreundlich“, urteilten die „Stormarner Nachrichten“. „Der Motor arbeitet beim Verringern der Geschwindigkeit wie ein Generator und lädt dabei automatisch die Batterie wieder etwas auf“, berichtete der Kollege vom „Stormarner Tageblatt“. Die Vertreter der GES kündigten an, auf Parkplätzen und an Straßenrändern Steckdosen zum Aufladen der Fahrzeugbatterien zu installieren.
Der Aktionsradius reiche im Stadtverkehr schon aus. Mit der nächsten Batterien-Generation würden es etwa 150 Kilometer sein. „Zu den Parkplätzen und Parkhäusern der Zukunft gehören Steckdosen; getankt wird nur noch Strom, bezahlt wird mit Chips“, blickte die „Ahrensburger Zeitung“ anlässlich der Busvorstellung in die Zukunft. Wie im Zusammenhang mit der Elektro-Bus-Vorstellung von Vertretern der GES erklärt worden sei, sei die bundesdeutsche Industrie bei dieser Entwicklung mit führend in der Welt.

vor Schloss: Fahrer neben Fahrzeug
„mini-el“ sorgte für Aufsehen
Die Gegenwart blieb erstmal dem Benzin vorbehalten, auch wenn es zwischendrin immer neue Versuche mit dem E-Antrieb gab. „mini-el“ hieß ein Elektro-Fahrzeug aus Dänemark, mit dem eine Dame aus Lütjensee 1991 Aufsehen erregte. „Das handliche Fahrzeug kann maximal 155 Kilogramm zuladen, hat eine Reichweite von 70 Kilometer und verbraucht auf hundert Kilometer Strom für 1,20 Mark. „Getankt“ wird an der Steckdose“, beschrieb die „Ahrensburger Zeitung“ den Kleinwagen.

Albrecht, Margit in dem Elektroauto „mini-el“
Schon ein Jahr zuvor waren bereits viele Modelle des „mini-el“ in Hamburg ausgeliefert worden, das – anders als Schleswig-Holstein – eine Prämie für Elektroautos zahlte. „Die Ersparnis gegenüber einem Kleinwagen mit Benzinmotor ist finanziell auf gut 75 Prozent errechnet worden.
Der „Mini-el“ bringt es auf 45 Stundenkilometer“, schrieb das „Stormarner Tageblatt“ 1990.
Ein Modell made in Nortorf stellte das „Stormarner Tageblatt“ im Oktober 1993 vor: Basis war auch hier das „mini-el“, doch der Werkzeugmaschinenbauer entwickelte für sein Fahr-zeug einen Hybrid-Motor – den ersten von ihm gefertigten „Kleinst-Automatik-Hybrid der Welt. „In die Gefahr eines Geschwindigkeitsrausch kommt er allerdings nicht“, schrieb der Journalist. „Der Prototyp ist nämlich für eine Endgeschwindigkeit von bis zu 30 km/h konzipiert.“
Was vor 50 Jahren als Rarität begann, nimmt inzwischen Fahrt auf. „Erstmals E-Busse im Kreis Stormarn unterwegs“ hieß es im Juli 2025 wieder. Anlass war, dass nun fünf neue Elektrobusse für die DB Regio Bus-Tochter Autokraft im Kreis Stormarn fahren. Inzwischen rollen in vielen Städten in Stormarn Elektro-Fahrzeuge.
















