Stormarn vor 50 Jahren: Besuch von Helmut Kohl

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Als Kanzlerkandidat Helmut Kohl 1976 nach Bad Oldesloe kam, um im Wahlkampf für sich zu werben, fehlte ihm schon eine Stimme: „Als er heute morgen in Bad Oldesloe einen neuen Wahlkamptag begann, war es die hundertste Rede seit dem 21. August“, schrieb das „Stormarner Tageblatt“ am 22. September 1976. „Seine Stimme war strapaziert. Sie klang heiser. „Doch“, so sagte Helmut Kohl, ,,es kommt auf Ihre und nicht auf meine Stimme an!“

CDU, Ortsverband: Mühlenstraße
Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl: CDU-Kanzlerkandidat Helmut Kohl und Ehefrau Hannelore Kohl beim Gang durch Menschenmenge, vorne geben Bürger Applaus: links Kaffee- und Süßwarengeschäft „Arco“: rechte Straßenseite von vorne nach hinten Eisen- und Haushaltswarengeschäft „Springer & Lindemann“, „Parco“, Seifenhandlung, Kaffeegeschäft „Tschibo“, Kaufhaus „Nickel“: hinten Bus bei Einmündung von Hindenburgstraße, Sonnenschirm mit CDU-Schriftzug: im Hintergrund Hagenstraße, 22. September 1976
Bildmitte links in dunklem Mantel: Hannelore Kohl; rechts neben ihr: Helmut Kohl

Bad in der Menge

Ein Foto im Kreisarchiv Stormarn von Raimund Marfels zeigt Kohl bei der Wahlkampfveranstaltung: Inmitten einer dicht gedrängten Menschenmenge steht der Wahlkampfwagen mit Wahlplakaten und einem Bild des Kanzlerkandidaten in der Mühlenstraße von Bad Oldesloe. Zusammen mit Ehefrau Hannelore, Schleswig-Holsteins Sozialminister Karl Eduard Claussen und Kreispräsident Hubert Priemel sprach Kohl zu rund 1000 Zuhörern.

Seine Rede dauerte 20 Minuten und sparte nicht mit Kritik gegen den amtierenden Kanzler Helmut Schmidt. „Im Schimpfen sei Herbert Wehner Meister und Bundeskanzler Schmidt dessen Meisterschüler, der wild um sich schlage“, zitiert ihn der Journalist. ,,Es gibt Männer, die, wenn sie in die fünfzig kommen, nicht nur die zweite Jugend, sondern auch die zweiten Flegeljahre erleben.“

Der Kanzlerkandidat war um 8.40 Uhr eingetroffen und hatte sich unter viel Händeschütteln den Weg durch die Menge gebahnt. „Um 9.05 Uhr verschwand er wieder, um händeschüttelnd und von begeisterten Anhängern mit Wünschen wie „viel Glück!“ und „Alles Gute!“ bedacht, zum Rückmarsch durch die Innenstadt in Richtung Bahnhof.“ Der Journalist war von dem Auftritt begeistert: „Die Kundgebung blieb bis zum Schluß ungestört“, konstatierte er. „Es fiele auch dem entschiedensten Gegner schwer, zu leugnen, daß Kohl eine Welle der Sympathie um sich verbreitet.“

Die „Stormarner Nachrichten“ gingen sachlicher mit dem prominenten Besuch um. „Außer Landtagspräsident Helmut Lemke und Sozialminister Karl Eduard Claussen waren auch die beiden Wahlkandidaten der CDU in Stormarn Süd und Nord, Olaf von Wrangel und Peter-Kurt Würzbach, mit dabei“, hält der kurze Bericht fest, der Kohls Wahlkampfparole zitiert:  Abschließend rief Kohl frei nach dem Lied von den Schwaben: Machen wir’s den Schwaben nach und wählen die Bundesregierung ab.“

Parteien im Wahlkampf

„Kohl war Zugpferd“ hielt die „Ahrensburger Zeitung“ am 24. September fest, doch auch die anderen Parteien lockten mit Politik-Promis. Dabei zeigte sich die Zeitung um Ausgeglichenheit bemüht. Neben dem Besuch von Kohl findet sich ein Absatz über den Bundestagskandidaten der SPD, Eckart Kuhlwein. „Zu einem Bestseller wächst sich das Kuhlweinsche Liederbuch aus“, heißt es da. „Der Bundestagskandidat der SPD hat vor allem älteren Mitbürgern schon viel Freude damit bereitet, dass er zur Gitarre griff und Volkslieder sang, bei denen dann alle fröhlich mitmachten.“

Die SPD-Wählerinitiative bot eine Auktion in Ahrensburg an, bei der Kunstwerke unter anderem von Künstler Harald Duwe unter den Hammer kamen. Wirtschaft und Skat standen bei einem Abend der FDP im Mittelpunkt, zu dem deren Bundestagskandidat Werner Zywietz geladen war. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) war zwei Tage später für eine Kundgebung in Ahrensburg angekündigt. Die CDU schickte im Wahlkreis Stormarn-Süd 1000 Ballons auf die Reise, mit denen ein Besuch beim Bundestag mit Kandidat Olaf von Wrangel zu gewinnen war.

Da war Kohl schon wieder weg. „Lassen Sie uns gemeinsam einen neuen Anfang in der deutschen Politik wagen“, rief Helmul Kohl zum Schluss den Oldesloern zu, winkte, erhielt Blumen, winkte und überließ Winken und Blumen schließlich seiner Ehefrau Hannelore“, schließt der Artikel im Stormarner Tageblatt. Genutzt hat es nicht: Helmut Schmidt gewann damals die Wahl.

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