Erasmus+-Projekt zu Ökologie und Nachhaltigkeit auf La Réunion

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Von Korallenriffen und Meeresschildkröten bis hin zu Vulkanlandschaften und
exotischen Talkesseln: Das Erasmus+-Projekt „Oté la mer – Watt fürs Leben“ führte
eine Schülergruppe des Kopernikus Gymnasiums Bargteheide im September 2025 auf
die französische Überseeinsel La Réunion zur Partnerschule Lycée Roland Garros.
Zwei Wochen lang standen ökologische Zusammenhänge, interkultureller Austausch
und gemeinsames Lernen angelehnt an die UN-Nachhaltigkeitsziele im Mittelpunkt.
„Lernen mit allen Sinnen“ ist wohl der richtige Ausdruck für das, was die 15
Schülerinnen und Schüler des 11. und 12. Jahrgangs nach 14 Flugstunden zwei
Wochen lang erleben dürfen. Hier duftet es nach Vanille, die in der Sonne getrocknet
wird, dort nach Zimt, wenn man die Blätter des Zimtbaums zwischen Daumen und
Zeigefinger reibt. Im Hinterhof köchelt auf einem Holzfeuer ein großer Eisentopf mit
cari poulet, am Strand und auf Waldlichtungen werden fröhliche kreolische Picknicks
veranstaltet. Über den Hindu-Tempeln steigt der Rauch von Räucherstäbchen auf. Die
Wellen brechen in der Ferne am Korallenriff und laufen auf dem feinen weißen Sand
knisternd aus. Endemische Vogelarten zwitschern in allen Tonlagen von den
tropischen Bäumen herunter, wenn man verschlungene Bergpfade nimmt, die an einer
Schlucht enden, in die ein Wasserfall mehrere hundert Meter in die Tiefe rauscht.
Ein ökologisches und kulturelles Paradies, das man bewahren möchte. Zumindest das,
was noch davon übrig ist. Und so ging es in dem Ökologie- und Nachhaltigkeitsprojekt
„Oté la mer – Watt fürs Leben“ nicht nur um das Er-leben, sondern auch um die Frage,
wie das Über-leben für viele Arten gesichert werden kann.

Klettern zum Teambuilding

„Wir konnten der deutsch-französischen Schülergruppe durch wertvolle Kooperationen
mit NGOs, gemeinnützigen Vereinen und Biologen vor Ort ein vielseitiges und
praxisnahes Programm ermöglichen. Am Ende haben wir alle begriffen: Es ist zwar
fünf vor zwölf – vielleicht sogar schon später – aber das darf uns nicht davon abhalten,
etwas gegen den negativen Trend zu tun. Und das ist in allen Bereichen möglich, denn
nicht nur direkter Umweltschutz, sondern auch, wie Menschen miteinander umgehen,
wie gerecht das System ist, hängt am Ende mit einer nachhaltig gesunden Umwelt
zusammen“, erklärt Kathrin Anders, Französischlehrerin am Kopernikus Gymnasium
Bargteheide, die zusammen mit ihrer Biologiekollegin Sabine Storch das Erasmus+-
Projekt begleitete.
Beim Besuch der Ausstellung der TAAF (Terres australes et antarctiques françaises)
erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die einzigartige Flora und Fauna der
französischen Süd- und Antarktisgebiete. Die TAAF sowie das umliegende
Meeresgebiet stehen unter strengem Naturschutz. Trotzdem findet z.B. illegaler
Fischfang durch andere Länder statt.
Einmalig war der Besuch der NGO AFEMAR – Femmes des pêcheurs, die
ursprünglich als Netzwerk für Fischerfrauen gegründet wurde. Heute ist der Verein ein
sozialer und kultureller Treffpunkt im Fischerviertel Terre-Sainte der Küstenstadt Saint-
Pierre. Neben Gesprächen über die Lebensrealität der verschiedenen Generationen
stand ein gemeinsamer Kochabend auf dem Programm – ein lebendiger Austausch,
der Kultur und Geschichte miteinander verband.
Ein besonderer Höhepunkt waren die gemeinsamen deutsch-französischen Tage in
der Begegnungsstätte Centre Jacques Tessier mit rund 40 Schülerinnen und Schülern
– direkt am Strand von Saline les Bains. Neben teamstärkenden Aktivitäten standen
dort vor allem ökologische Themen im Fokus. In Workshops mit den Meeresbiologen
des Vereins KOSA lernten die Teilnehmenden Neues über Korallenriffe und die
Diversität verschiedener Meeresökosysteme. Beim Schnorcheln konnten sie die
Artenvielfalt des Riffs, aber auch die weit fortgeschrittene Korallenbleiche hautnah
erleben.
Ergänzt wurde das Programm mit einem Workshop der NGO Globice, die sich dem
Schutz von Walen und Delfinen widmet. Mithilfe von Tonaufnahmen, Karten und
Bildern wurden Forschungsergebnisse und Gefährdungen dieser beeindruckenden
Meeressäuger anschaulich vermittelt.

Am Vulkan Piton de la Fournaise

Zum Abschluss der ersten Projektwoche besuchte die Gruppe die
Meeresschildkrötenstation Kélonia in St. Leu. Dort erfuhren die Teilnehmenden, wie
wichtig der Schutz der Küsten und die Renaturalisierung von Stränden für das
Überleben der Tiere sind. Besonders eindrucksvoll war die Arbeit mit verletzten
Schildkröten und der Einsatz der Station für bedrohte Arten.
Die Zukunftswerkstatt am Lycée Roland Garros leitete die zweite Projektwoche ein.
Vor dem Hintergrund der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung erarbeiteten die
Jugendlichen zunächst Utopien als mögliche Lösungen von Problemen. In der
anschließenden Verwirklichungsphase fanden sie Kompromisse, die es ihnen
ermöglichten, ihre utopischen Projektpläne in der Realität umzusetzen. Dabei
entstanden unterschiedliche Projekte, die sie nach Beendigung der Reise in ihren
Schulen ins Leben riefen. Der Fokus lag dabei nicht nur auf dem Ziel „Maßnahmen
zum Klimaschutz“, sondern auf verschiedenen Zielkategorien wie
„verantwortungsvoller Konsum“, „Gleichberechtigung der Geschlechter“ oder „Frieden
und Gerechtigkeit“.
Neben fachlichen Aspekten spielte auch der interkulturelle Austausch eine zentrale
Rolle. Die Unterbringung in Gastfamilien, die gemeinsame Projektarbeit und
Präsentationen förderten Sprachkompetenz, Selbstständigkeit und soziale
Verantwortung.
Erfrischt und mit neuen Eindrücken gefüllt wurden die kritisch und strategisch
denkenden Köpfe nach der Theoriephase in den Bergregionen der Insel. Die berühmte
Straße mit den 400 Kurven führte die Gruppe in den Talkessel Cirque de Cilaos mit
beeindruckenden Landschaften rund um den Piton des Neiges, den höchsten Berg im
Indischen Ozean. Bei einer Exkursion zum aktiven Vulkan Piton de la Fournaise
konnten die Spuren vergangener Lavaflüsse aus nächster Nähe begutachtet werden.
Die Wanderungen bei bis zu 70 Prozent Luftfeuchtigkeit stellten eine sportliche
Herausforderung für die an das kühle, schleswig-holsteinische Flachland gewöhnten
Jugendlichen dar. Trotz unterschiedlicher geologischer und klimatischer
Voraussetzungen stehen La Réunion und Schleswig-Holstein mit Wattenmeer und
Ostsee aber vor ähnlichen Herausforderungen: Klimawandel, Küstenschutz,
Tourismus, Energiegewinnung und Schutz sensibler Ökosysteme.

Was bleibt nach 14 Tagen im Indischen Ozean?
Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Erfahrungen in digitalen Tagebüchern,
Filmsequenzen, Audioaufnahmen und Präsentationen festgehalten, die sie der
Schulgemeinschaft am 26. Januar 2026 in der Kuhle des Kopernikus Gymnasiums an
verschiedenen Stationen vorstellten. Am Eingang: Ein Wunschbaum. Denn nicht nur
die Zukunftswerkstatt durfte sich mit Utopien beschäftigen. Alle Projektteilnehmenden
und Besucher wurden dazu eingeladen, ihre Wünsche für eine nachhaltige, gerechte
und sichere Zukunft zu formulieren und an den Baum zu hängen – in der Hoffnung,
dass sie eines Tages in einer starken und engagierten Gesellschaft umgesetzt werden.
Das Beispiel zeigt: Erasmus+-Projekte können weit mehr sein als einzelne
Austauschfahrten. Richtig eingebettet, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur
Profilbildung, zur Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung und zur
Stärkung europäischer Zusammenarbeit – und damit zur nachhaltigen
Schulentwicklung insgesamt.

Die Vorgeschichte: Warum La Réunion?
Der Kontakt zwischen dem Kopernikus Gymnasium Bargteheide und dem Lycée
Roland Garros geht auf eine vom akademischen Auslandsamt organisierte
Lehrerhospitation im Jahr 2022 zurück. Es folgte eine Erasmus+-Mobilität im Jahr
2023, bei der ein gemeinsames Theaterprojekt in Berlin und Bargteheide gefördert
wurde – auf französischer Seite mit Erasmus+, auf deutscher Seite mit dem Deutsch-
Französischen Jugendwerk als IN-Projekt. Diesem Theaterprojekt „Lottex2“ wurde
2024 der Preis für das beste IN-Projekt 2023 im Institut Français in Kiel verliehen. Dort
war das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung
und Kultur des Landes Schleswig-Holstein durch Herrn Christian Mattes,
Austauschreferent, vertreten. Dank seiner Vermittlung konnte das Kopernikus
Gymnasium Bargteheide für drei Jahre in der Kategorie „Besonders weit entfernte
Ziele“ in das Programm School goes international aufgenommen werden, welches
Gelder von Erasmus+ bezieht. Somit war der Gegenbesuch in Form eines Ökologie-
und Nachhaltigkeitsprojektes möglich.

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