Große Höhenunterschiede, große Herausforderungen: Moorvernässung unter besonderen Bedingungen
Anfang Dezember gab Janis Ahrens, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, den Startschuss zu der Vernässung im Nienwohlder Moor. Die Moor-landschaft nordöstlich von Hamburg in den Kreisen Segeberg und Stormarn zieht sich grünbraun über 111 Hektar. Hier gibt es eine Besonderheit, welche die Moor-Vernässer*innen vor große Herausforderungen stellt: In dem Gelände herrschen massive Höhenunterschiede. Vor vielen Jahrzehnten fraßen sich Bagger und Schaufeln in den Moorboden, um den Torf abzubauen und das hat Spuren hinterlassen – starke Abbruchkanten und Höhenunterschiede von bis zu fünf Metern.

Schritt für Schritt zur Moor-Wiederbelebung
Um das Wasser im Moor länger halten zu können, fahren Janis Ahrens und seine Kolleg*innen alles auf, was die Moor-Vernässung heute zu bieten hat. Dafür wird das Moor in einzelne Abschnitte eingeteilt, außenherum Wälle aufgeschüttet und so in den jeweiligen Abschnitten eine Art Badewanne, sogenannte „Polder“, gebaut. Ergänzt werden die Wälle mit Spundwänden, die in den Torf gedrückt werden und regelbaren Überläufen, um die optimale Wasserhöhe einzustellen.
Besondere Begebenheiten erfordern Unikat
Mithilfe einer speziellen Folie wird zudem eine unterirdische Abdichtung geschaffen. Dafür kommt ein Dichtbahnpflug zum Einsatz. Bei diesem handelt es sich ohne hin schon um ein seltenes Gerät, aber da im Nienwohlder Moor kurvenreichere Wälle
gezogen werden müssen, haben die Moor-Expert*innen extra ein norddeutsches Unikat mit Lenkung gebaut. Die Aufgabe des Dichtbahnpflugs ist es, die lösungsmittelfreie PE-Folie in einer Tiefe von zwei Metern zur Abdichtung im Boden zu spannen, sodass
das Wasser nicht unterirdisch abfließen kann und sich Regenwasser ansammelt.
Janis Ahrens erklärt: „Wir wenden diese Methode hier an, da wir so eine geringere Anzahl an Wällen aufschütten müssen und sie minimalinvasiv ist. Der Dichtbahnpflug macht nur einen kleinen Schlitz in den Torf-Boden, der gleich hinter ihm wieder zu geht. Das erleichtert uns nicht nur den Bauprozess, sondern schont die wertvolle Vegetation rechts und links der Dichtbahn.“
Von März bis Ende August wird die Baustelle unterbrochen und es kehrt Ruhe für die Brut- und Setzzeit der Moortiere ein.

Moorschutz wirkt doppelt
Ein Naturschutzgebiet ist das Nienwohlder Moor bereits seit den 1980er-Jahren. Vor Ort finden sich Bereiche mit gut erhaltenem Moor und typischen Planzen- und Tierarten. Kraniche ziehen Kreise am Himmel, Kreuzottern schlängeln durch die Gräser, Moosbeeren und Sonnentau sprießen.
„Um die heute noch vorhandene, wertvolle Artenvielfalt weiter zu fördern und zu deren Vermehrung beizutragen, vernässen wir das Nienwohlder Moor. Wir gestalten einen naturnahen, schützenden Lebensraum für unsere heimischen moortypischen Tiere und Pflanzen.“, so Janis Ahrens.
Neben der schützenden Hand, die die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein über das Moor legt, setzt sie sich mit der Vernässung auch aktiv gegen den Klimawandel ein. Denn Torfmoose, welche ausschließlich im Moor vorzufinden sind, haben eine Eigenschaft, die sie zu wahren Helden macht: Sie können eine große Menge CO2 aufnehmen und speichern. Aufgrund ihrer Fähigkeit gelten Moore als die effizientesten CO2-Speicher der Welt, denn sie speichern weltweit doppelt so viel Kohlenstoff als alle Wälder zusammen.
















