In der Politik braucht man manchmal einen sehr langen Atem. Ich beschäftige mich jetzt schon seit 2015 mit dem Bahnhof Bargteheide und seiner mangelnden Barrierefreiheit und habe damals bereits alle politischen Ebenen kontaktiert, angefangen vom damaligen Bargteheider Bürgermeister und jetzigen Landrat des Kreises Stormarn, Dr. Henning Görtz (CDU ), über alle politischen Parteien hier vor Ort, den Verkehrsausschuss des Kreistages in Bad Oldesloe, den damaligen Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Reinhard Meyer (SPD), dessen Staatssekretär Dr. Frank Nägele (einen ehemaligen Kollegen von mir aus dem Bundeskanzleramt, 1999-2001), bis zum damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dem Vorstandsvorsitzenden der DB Station & Service AG, Dr. André Zeug, und der damaligen Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderung und jetzigen Vorsitzenden des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele.
Alle haben mir beigepflichtet, dass die Situation am Bahnhof Bargteheide für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung „unbefriedigend“ sei und mich gebeten, mich noch ein paar Jahre bis zur Fertigstellung der S4 zu gedulden. Dann werde alles besser und barrierefreier. Bis dahin wolle die Deutsche Bahn kein Geld mehr in den alten Bahnhof aus dem Jahr 1865 investieren. Mittlerweile sind elf Jahre vergangen, ich bin elf Jahre älter geworden, habe elf Jahre wertvolle Lebenszeit verloren, in denen ich den Bahnhof Bargteheide und die Regionalbahn als Rollstuhlfahrer nicht nutzen konnte und nicht mehr genutzt habe, immer auf Busse, teure Taxis und Behindertenfahrdienste angewiesen war. Und nun muss ich bis zur Fertigstellung der S4 oder dem von allen politischen Parteien hier vor Ort gewünschten Halt des RegionalExpress wohl noch ein paar weitere Jahre warten. Ich bin inzwischen 64 Jahre alt. Ob ich eine Lösung noch bis zu meinem 70. Geburtstag oder überhaupt noch in diesem Leben erleben werde?
Wenn ich nur die Zeitspanne von 2015 bis zur wahrscheinlichen Fertigstellung der S4 oder dem Halt des RegionalExpress in Bargteheide rechne, dann reden wir über eine Zeitspanne von 15-20 Jahren. Zwanzig Jahre Planungsphase und Bauzeit für den Bau einer insgesamt nur knapp 40 km langen regionalen (S-)Bahnstrecke von Hamburg bis Bad Oldesloe, deren Schienen bereits liegen? Alle deutschen Politiker und politischen Parteien reden seit Jahren über „Entbürokratisierung“ und „beschleunigte Planungsverfahren“. In der Praxis ändert sich nichts. Kein Wunder, dass sich Deutschland in der wirtschaftlichen Lage befindet, in der es sich jetzt befindet (obwohl das natürlich auch andere Gründe hat). Im nächsten Jahr sind Landtagswahlen in Schleswig-Holstein. Vielleicht können meine inzwischen sechs Enkelkinder dann ja irgendwann mal mit dem RegionalExpress nach Bargteheide kommen. Ende der Satire.
Andreas Reigbert
















