„Seenotrettung ist kein Verbrechen“

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Bericht zur Veranstaltung „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ am 10.9.19 in der Stadtbücherei Ahrensburg

Zur Gesprächsrunde trafen sich 3 Gesprächspartner in der Stadtbücherei Ahrensburg. Thema war die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Michael Brandt (MdB, Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe) begann sein Statement mit dem Bericht von seinem Besuch auf der Insel Lesbos. Dieser sogenannte Hotspot auf der griechischen Insel ist ausgelegt für 2.400 Personen, die über das Mittelmeer versuchen Europa zu erreichen. 9.000 Menschen vegetieren derzeit unter menschenunwürdigen Bedingungen. Sie warten dort, ob sie in die Türkei zurückgeschickt werden.

Die Entscheidung darüber fallen die überforderten griechischen Behörden nach einer Wartezeit Es dauert 1,5 bis 3 Jahre bis es zum ersten Gespräch mit den Flüchtlingen kommt. Die Menschen schlafen größtenteils auf Pappen unter planen im freien Gelände. Vom Zustand der sanitären Anlagen nicht zu reden. An genau 2 Stellen im Lager gibt es fließendes Wasser. Die Essensausgabe wird vom Militär übernommen. Das Anstehen dafür dauert Zwischen 2 und vier Stunden. Eine Menschenhändlerstruktur hat sich herausgebildet und es verschwinden regelmässig junge Frauen von der Insel. Die örtliche Polizei bestreitet dies, die Information wird aber von der dort aktiven Vertreterin einer Nichtregierungsorganisation (NGO) bestätigt. 43% der Flüchtlinge sind Jugendliche und Kinder. Am dringendsten ist, diese aus dem Lager herauszuholen. Hier in Deutschland steht die in den letzten Jahren aufgebaute Infrastruktur teilweise leer. Auf Lesbos ist die Situation seit über 3,5 Jahren im Vergleich dazu absurd und menschenverachtend.

Der Hotspot in Lesbos wird finanziert und liegt in der Verantwortung der Europäischen Union.

Britta Ritterhof (Freundeskreis für Flüchtlinge Ahrensburg e.V.) berichtet in vollem Kontrast dagegen von den komfortablen Umständen der Flüchtlinge in Ahrensburg. Das Leben im Containerdorf im Ahrensburger Gewerbegebiet erscheint im Vergleich dazu deutlich lebenswerter. Die Stadt Ahrensburg  konnte bemerkenswert schlagkräftige Netzwerke aufbauen. die jetzt eine geradezu professionelle Betreuung durch die Kombination von Haupt/ und Ehrenamt gewährleisten. Hand in Handarbeiten Rathaus, Jobcenter, Diakonie, Freundeskreis und viele andere Vereine. „Es läuft wunderbar, natürlich könnte e noch besser laufen“.

Als Vertreter aus Kiel berichtete Tim L. (Seebrücke Kiel) von dem Projekt „Sicherer Hafen“. In den Jahren 2014 bis August 2019 sind über 18.650 Menschen auf ihrer Flucht übers im Mittelmeer ertrunken. Geradezu skandalös ist, dass die Retter auf den Schiffen kriminalisiert werden. Helfern drohen bis zu 20 Jahre Haft. Die Seenotrettung wird massiv behindert und die Schiffe dürfen nicht mehr anlegen. Die Europäische Union hat mit der „lybischen Küstenwache“ vereinbart, dass diese die Boote abfangen und wieder zurück in die Lager auf lybischen Boden bringen, wo Folter, Gewalt und Vergewaltigungen herrschen. Die Stadt Kiel hat sich mit Beschluss der Ratsversammlung  am 15.11.2018 zum „sicheren  Hafen“ erklärt. Die Kieler Bevölkerung heißt damit Menschen in Not willkommen. Ziel ist es auch weitere Kommunen zu diesem Schritt zu bewegen. und Europa wieder zu öffnen. Die Fluchtursachen lassen sich durch die Abschottung europäischer Grenzen nicht beheben und am wenigstens dürfen die Augen vor diese Leid verschlossen werden.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Ali Hayder Mercan (Fraktionsvorsitzender „Die Linke“ Ahrensburg). Vor 22 Gästen resümierte er die bestürzenden Umstände in der Flüchtlingspolitik an den europäischen Grenzen.

Der Abend in der Stadtbücherei Ahrensburg endete mit dem hoffnungsvollen Statement, dass der Funke in dieser Stadt weitergegeben werden kann und die Bundesregierung durch viele Proteste doch zu einer Änderung in der Flüchtlingspolitik bewogen werden kann und die Vorteile einer gelungenen Integration, wie sie vorbildlich in unserer Stadt vollzogen wird, zu schätzen ist.

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