Archäologische Untersuchungen an der Bahnstrecke

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Das Projekt S4 schafft unverhoffte Einblicke in die späteiszeitliche Besiedlungsphase von Oldenfelde, Meiendorf und Ahrensburg

Im Zuge der Umweltverträglichkeitsuntersuchung für das Planfeststellungsverfahren zum Bau der neuen S-Bahn-Linie S4 nach Bad Oldesloe haben Ende Juli Voruntersuchungen der Bodendenkmalpflege in den Naturschutzgebieten Stellmoorer Tunneltal und Ahrensburger Tunneltal entlang der bestehenden und auszubauenden Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Ahrensburg begonnen. Durch eine Kleine Anfrage an den Senat erfuhr der Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter weitere Details zu den Ausgrabungen.

S4logo.

Der Grund für die archäologischen Voruntersuchungen ist der geplante Ausbau der S-Bahn-Linie S4 Hamburg – Bad Oldesloe durch das Stellmoorer und das Ahrensburger Tunneltal. In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein ist für die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung ein archäologisches Fachgutachten zu erstellen, um die bodendenkmalpflegerischen Belange, die durch das geplante Bauvorhaben berührt werden, präzise fassen und bewerten zu können.

Es handelt sich um kleinflächige Grabungen, die maschinell als Baggerschnitt bzw. händisch als Schürfung oder Grabung angelegt werden. Hinzu kommen Bohrungen am Rand verlandeter Seen oder Toteislöchern. Die archäologischen Voruntersuchungen betreffen allein in Hamburg insgesamt 33 Flurstücke in den Gemarkungen Meiendorf und Oldenfelde. Alle Flurstücke liegen im für die Umweltverträglichkeitsprüfung ausgewiesenen Untersuchungsraum im Trassenkorridor der Bahnlinie S4.

Alle archäologischen Maßnahmen werden durch die Bodendenkmalpflege des Archäologischen Museums Hamburg (Helms-Museum) im Auftrag der Deutsche Bahn Netz AG in enger Kooperation mit der Bahn, den Naturschutzämtern und –verbänden sowie den Grundeigentümern durchgeführt. Die Voruntersuchungen sind zwischen der Deutsche Bahn Netz AG sowie den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein als Bestandteil des geschlossenen Teil-Finanzierungsvertrags vereinbart.

Dazu erklärt Ole Thorben Buschhüter: „Auch das gehört zum Projekt S4, und es unterstreicht mit welcher Ernsthaftigkeit und Akribie vorgegangen wird. Wir bekommen mit diesen im Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschriebenen Voruntersuchungen weiteren Aufschluss über kultur- und naturhistorisch wichtige Abschnitte der Siedlungs- und Entwicklungsgeschichte unserer Region, die sonst wohl nicht in dieser Form zu Tage treten würden. Es ist daher gut, dass diese Untersuchungen stattfinden und besonderen Funde dokumentiert und bestenfalls gesichert werden“.

Das Stellmoorer Tunneltal stellt ein archäologisches, geologisches und ökologisches Denkmalensemble von internationaler Bedeutung für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte während der späten Eiszeit ca. von 12.700 bis 9.700 vor Christi dar. Dies ergibt sich aus der topographischen Gesamtsituation und den für den nördlichen Bereich dokumentierten außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen für archäologische Funde. Die daraus zu gewinnenden wissenschaftlichen Erkenntnisse berühren gleichermaßen die Interessen von Quartärgeologen, der Paläoökologie und –klimatologie. Das kombinierte Vorkommen von optimal erhaltenen Ressourcen für die wissenschaftliche Erschließung der Kultur- und Naturgeschichte ermöglicht einzigartig eine umfassende Rekonstruktion der späteiszeitlichen Besiedlungsphase Nordeuropas durch den anatomisch modernen Menschen. Dies gilt für den Talabschnitt auf Hamburger Staatsgebiet ebenso wie für die nördlich angrenzenden Bereiche in Schleswig-Holstein. Auch aus späteren Zeiten liegen Fundstellen im Bereich des Tunneltales vor. So ist beispielsweise mit bronze- oder eisenzeitlichen Urnengräberfeldern zu rechnen. Im Bereich der Bahntrasse liegen eisenzeitliche Siedlungsplätze, hier die Fundplätze Meiendorf 17 und 18, die im Vorfeld der Anlage der Mülldeponie Höltigbaum teilweise untersucht worden sind. Außerdem sind auch Funde aus dem Mittelalter bekannt.

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