Feuerwehr-Gottesdienst in Bargfeld-Stegen
Ein ungewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst: In der Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Bargfeld-Stegen wurde am Sonntag, 10. Mai 2026, zum zweiten Mal in der 57-jährigen Geschichte der Kirchengemeinde ein Feuerwehr-Gottesdienst gefeiert. Eingeladen hatte Pastor Andreas Wendt. Die Idee zu diesem besonderen Gottesdienst stammte ursprünglich aus dem Kirchenvorstand. Nach der coronabedingten Verschiebung wurde das Format bereits 2023 erstmals umgesetzt.
Die Fahrzeughalle verwandelte sich kurzerhand in eine provisorische Kirche – mit ungewöhnlich vielen Besucherinnen und Besuchern. Im Mittelpunkt standen nicht nur die Aufgaben der Feuerwehr, sondern auch die Menschen hinter den Einsätzen: die Einsatzkräfte und ihre Familien.
Feuerwehrleute gestalteten den Gottesdienst gemeinsam mit Pastor Andreas Wendt aktiv mit. Dabei wurde auch auf die traditionsreiche Verbindung zwischen Feuerwehr und Kirche hingewiesen: Bundesweit tragen Feuerwehrfahrzeuge den Funkrufnamen „Florian“, benannt nach dem heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr.
Günther Köhn, Wehrführer im Ruhestand, erinnerte an die Gründung der Feuerwehr Bargfeld-Stegen im Jahr 1889 als Pflichtfeuerwehr. Erst später entstanden im Kreis Stormarn die heutigen Freiwilligen Feuerwehren.
Für die Jugendfeuerwehr sprach Mattia Sardelli über Gemeinschaft und Nachwuchsarbeit: „Der Teamgeist steht bei uns im Vordergrund, denn als Einzelkämpfer hat man in der Feuerwehr keine Chance.“ Neben feuerwehrtechnischer Ausbildung, Erster Hilfe und dem Umgang mit technischen Geräten gehörten auch Zeltlager, Wettkämpfe und Ausflüge zum Programm. Besonders bemerkenswert: „Fast 50 Kinder stehen inzwischen auf unserer Warteliste.“
Niklas Steindl, der selbst aus der Jugendfeuerwehr stammt und inzwischen in der Einsatzabteilung aktiv ist, schilderte in einer emotionalen Ansprache den Wechsel in den aktiven Dienst. Er sprach über Verantwortung, Stolz sowie den besonderen Zusammenhalt innerhalb der Feuerwehr. Teamwork, gegenseitiges Vertrauen und Kameradschaft seien entscheidend, um Einsätze sicher bewältigen zu können.

Der Gottesdienst thematisierte auch die belastenden Seiten des Ehrenamtes. Autounfälle, schwere Brände oder Todesfälle hinterließen oft Spuren – nicht nur bei den Einsatzkräften selbst, sondern auch bei deren Familien.
André Poser, Schriftführer und Ansprechpartner für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, erinnerte an besonders belastende Einsätze: tödliche Motorradunfälle oder Türöffnungen bei Menschen, die bereits seit Wochen vermisst wurden. „Bei solchen Einsätzen spielt sich im Kopf schnell ein Gedankenkarussell ab. Dann hilft es, offen und ehrlich mit den Kameradinnen und Kameraden darüber zu sprechen – manchmal auch noch Wochen später.“ Über die Integrierte Regionalleitstelle Süd der Kreise Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und Stormarn können bei Bedarf Kriseninterventionsteams angefordert werden. Zu diesen Teams gehören auch speziell geschulte Pastorinnen und Pastoren, die Einsatzkräfte seelsorgerisch begleiten.
Angesichts zunehmender Anfeindungen gegen Einsatzkräfte wurde außerdem auf die Initiative „Respekt für Retter“ hingewiesen. Die Kreise Ostholstein und Stormarn haben das Projekt gemeinsam mit den Stiftungen der Sparkasse Holstein ins Leben gerufen. Mit Plakat- und Social-Media-Kampagnen sowie Bildungsangeboten soll die gesellschaftliche Wertschätzung für Rettungskräfte gestärkt werden. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, Michael Kessler, Olli Dittrich, Mike Krüger, Hinnerk Baumgarten sowie Marcell Jansen.
Besonders hervorgehoben wurde die Rolle der Familien. „Wenn nachts die Alarmmelder losgehen, ist auch die Familie wach“, hieß es im Gottesdienst. Ohne diesen Rückhalt sei ehrenamtlicher Feuerwehrdienst kaum möglich.
Der Feuerwehr-Gottesdienst machte deutlich: Feuerwehr bedeutet weit mehr als Technik und Einsätze. Sie lebt von Vertrauen, Gemeinschaft und Menschen, die füreinander einstehen – im Einsatz und darüber hinaus.
















