Zu den jüngst bekannt gewordenen, weiteren Verzögerungen und massiven Steigerungen der Gesamtkosten der Schienenhinterlandanbindung der festen Fehmarnbelt-Querung sowie dem Agieren von Bundesregierung und Deutscher Bahn erklärt Konstantin von Notz, schleswig-holsteinischer Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen:
Auf eklatante Planungsmängel und daraus resultierende Verzögerungen, zusätzliche Belastungen durch Streckensperrungen und den Wegfall wichtiger Haltestellen, fehlenden Lärmschutz sowie horrende Kostensteigerungen bei der Realisierung der festen Fehmarnbelt-Querung machen wir seit nunmehr 15 Jahren aufmerksam. Als wir vor Jahren bereits vor einem „Milliardengrab“ am Fehmarnbelt warnten, beschwichtigte man stets.

In mehreren umfassenden parlamentarischen Initiativen, die wir über Jahre in den Deutschen Bundestag eingebracht haben, haben wir die Bundesregierung unmissverständlich aufgefordert, endlich für die notwendige Klarheit bezüglich der realen Kosten, Verkehre und Belastungen für die Anwohnerinnen und Anwohner entlang der deutschen Hinterlandanbindung zu sorgen.
Bis heute versuchen Bundesregierung und Deutsche Bahn, die Menschen hinter die Fichte zu führen. Die Fehmarnbelt-Querung ist längst zu einem Paradebeispiel für eine völlig verkorkste Verkehrsplanung geworden, die Steuerzahler und die öffentliche Haushalte massiv belastet, an anderer Stelle dringend benötigte Mittel bindet und zu massiver Politikverdrossenheit führt.
Durch die kürzlich bekannt gewordenen, weiteren Verzögerungen war völlig klar, dass auch die Kosten weiter steigen. Doch das genaue Ausmaß blieb unklar. Aus diesem Grund habe ich die Bundesregierung in der vergangenen Woche hierzu schriftlich befragt.
Am 28.05.2026 antwortete mir die Bundesregierung, dass man einen Inbetriebnahme-Termin erst nach Auswertung der Erkenntnisse aus der Absenkung weiterer Tunnelelemente sowie dem Fortgang der Planfeststellungsverfahren auf deutscher Seite nennen könne. Erst im Anschluss könne man auch eine aktualisierte Gesamtkostenschätzung abgeben. Ich bin irritiert über das Antwortverhalten der Bundesregierung.
Nun wird deutlich: Die Kosten für die deutsche Schienenhinterlandanbindung der festen Fehmarnbelt-Querung laufen komplett aus dem Ruder. Deutsche Bahn und Bundesregierung spielen weiter ihr durchsichtsichtige Spiel: Während man mir gegenüber noch immer auf die bisherigen, schon horrenden Gesamtkosten für die Hinterlandanbindung inkl. Fehmarnsund-Tunnel von 6,1 Mrd. Euro verweist, verschweigt man der Öffentlichkeit die wahren Kosten weiter.
In einem vertraulichen Vermerk des Bundesrechnungshofs an den Haushaltsausschuss des Bundestags werden diese längst mit knapp 11 Milliarden Euro beziffert – wohlgemerkt zum Stand September 2025, also vor den weiteren, jüngst bekannt gewordenen Verzögerungen. Somit steht zu befürchten, dass selbst mit dieser Prognose noch immer nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist und die Kosten noch weiter steigen werden.
Man fragt sich wirklich, wie lange Bundesregierung und Deutsche Bahn dieses in höchstem Maße unwürdiges Spiel noch spielen und wann sie Parlament und Öffentlichkeit endlich reinen Wein einschenken wollen. Beide, sowohl die Deutsche Bahn als auch die Bundesregierung, fordere ich hiermit noch einmal mit Nachdruck auf, endlich für die seit Jahren überfällige Klarheit bezüglich weiterer Verzögerungen, genauer Kosten und zusätzlicher Belastungen der Anwohnerinnen und Anwohner entlang der Hinterlandanbindung zu sorgen.
Auch bei den laufenden Beratungen mit dem Königreich Dänemark über einen neuen Zeitplan für die Eröffnung des Belttunnels und der Bahnstrecke müssen die massiven Kostensteigerungen und Verzögerungen zur Sprache kommen und Konsequenzen ehrlich und ergebnisoffen erörtert werden.

















Herr von Notz sollte sich mit dem gleichen Elan auch einmal für die Kostensteigerungen und zeitlichen Verzögerungen bei den Planungen für den Neubau einer (S-)Bahnlinie (S4) von Hamburg nach Bad Oldesloe, einschließlich der barrierefreien Gestaltung und des Umbaus des 162 Jahre alten Bahnhofs in Bargteheide, interessieren. Die Pläne für die S4 gibt es jetzt schon seit fast 20 Jahren. So lange werden die Menschen in Bargteheide schon vertröstet. Die Baukosten für die völlig unsinnige S4 wurden ursprünglich mit 380 Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen sind es mehr als 1,8 Milliarden Euro, eine Kostensteigerung um fast 500%. Sehr viel sinnvoller und kostengünstiger wäre die Umsetzung des Konzepts „S4neo“ mit dem regelmäßigen Halt des RegionalExpress in Bargteheide. Wir brauchen in Bargteheide keine städtische S-Bahn, sondern den viel moderneren, schnelleren, bequemeren und barrierefreien RegionalExpress!
Die S-Bahn (= Stadtbahn) mit ihren 96 cm über Schienenoberkante hohen Einstiegen und Bahnsteigkanten ist ein Verkehrsmittel, das in den 1930er Jahren für Großstädte wie Hamburg und Berlin mit großen Passagierzahlen und kurzen Strecken zwischen zahlreichen Haltestellen entwickelt wurde. Das Konzept der S-Bahn hat in Großstädten sicherlich seine Berechtigung, nicht jedoch auf langen Strecken wie zum Beispiel zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Die S-Bahn-Triebzüge
– sind an Bahnsteigen mit 76 cm hohen Bahnsteigen (= übliche Höhe im Eisenbahnverkehr) nicht barrierefrei;
– sind wesentlich langsamer als die Regionalbahn und der RegionalExpress;
– sind deswegen ohne separate Gleise ein ständiges Hindernis und ein Störfaktor für den sonstigen Eisenbahnverkehr, was zu zahlreichen Verspätungen führen würde;
– haben nur halb so viele Sitzplätze wie die Regionalbahn oder der RegionalExpress;
– haben keine Sanitäranlagen/Toiletten an Bord;
– haben kein Zugbegleitpersonal („Schaffner“) an Bord.
Ich kann den Ausführungen von Herrn Reigbert nachvollziehen und stimme ihnen zu. Ebenso wie die zu erwartenden Kostensteigerungen bei der Fehmarnbelt-Querung wird es uns mit der geplanten S4-Erweiterung zwischen Rahlstedt und Bad Oldeslohe ereilen. Insbesondere die ungelösten Probleme, der von der DB geplanten Trassenführung durch das „nicht tragfähige“ Stellmoorer Tunneltal, sind mit bisher nicht kalkulierbaren Mehrkosten verbunden. Ganz zu schweigen von den irreparablen Schäden des NSG Stellmoorer Tunneltal. In der Studie „S4neo“, die den Verantwortlichen der DB und der Politik zur Verfügung steht, wird vorgeschlagen, die S4 nur bis Rahlstedt zu nutzen. Der moderne Expresszug bedient alle Bahnhöfe zwischen Bad Oldesloe und Rahlstedt auf den aktuellen Gleisen, ohne dass die S4 die Gleise kreuzt. Dies spart nicht nur Kosten in Höhe von einigen hundert Millionen Euro, sondern führt gleichfalls zu Verbesserungen im ÖPNV zwischen Bad Oldeslohe, Rahlstedt und Hauptbahnhof. Die Politik sollte nicht an überholten Planungen festhalten, nur weil sie es politisch gewollt hat.
Sina Imhof, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion in Hamburg, erklärte in einer „Aktuellen Stunde“: „Gute Politik bedeutet, Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, zu lösen, im Zweifel auch einmal nachzusteuern und damit am Ende das Leben der Menschen zu verbessern.“
Dem ist nichts hinzuzufügen.