300.000 Euro für ein Pferd?

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Schüler schreiben für Schüler. BargteheideAktuell bietet Schülerinnen und Schülern ein Forum zur Veröffentlichung eigener Beiträge. Die schönsten, originellsten oder verrücktesten werden am Ende des Jahres prämiert. Hier kommt ein Beitrag über Trakehnerpferde von Carolina Vos, 14 Jahre, Schülerin am Kopernikus Gymnasium:

Der Trakehner im Rasseportrait

Es ist Mai, die Vögel zwitschern und ich fliege auf einem Pferd. Ich reite auf das Hindernis zu und HOP! Als ich Karana durchpariert habe, wird mir bewusst, was für ein tolles Pferd ich reiten darf: eine Stute, die bei der Weltmeisterschaft war, einen Oxer aus dem Trab springt und ein Familienmitglied der ältesten Pferderasse Deutschlands ist. Doch was machen Trakehner eigentlich so besonders?

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Die Zuchtanfänge sind bis in das 13. Jahrhundert zurück zu verfolgen, in die Zeit des Deutschritterordens.
In Ostpreußen gab es das Hauptgestüt Trakehnen, eines von fünf Gestüten in Ostpreußen. Dieses bestand von 1731 bis 1945. Zunächst war der offizielle Name Königliches Stutamt Trakehnen, ab 1786 hieß es Königliches Preußisches Hauptgestüt Trakehnen und ab 1919 bis 1945 Preußisches Hauptgestüt Trakehnen. Oberstallmeister Graf Lindenau führte 1787 die siebenzackige Elchschaufel als Brandzeichen auf dem rechten Hinterschenkel ein. Alle Pferde, die im Hauptgestüt Trakehnen geboren wurden bekamen sie. Dieses Brandzeichen wurde 1922 um die doppelte Elchschaufel für Pferde aus der ländlichen Zucht ergänzt und zwar für alle, die mütterlicherseits mindestens 4 Generationen Trakehner Abstammung nachweisen konnten. Das Zeichen der siebenzackigen Elchschaufel zierte zusammen mit der Jahreszahl 1732 das Eingangstor zum Landgestüt, und das tut es auch noch heute.
Die Zucht in Ostpreußen brach mit dem Ende des zweiten Weltkriegs 1945 vollständig zusammen, doch ein kleiner Bestandteil der ostpreußischen Pferde – 575 Stuten und 45 Hengste – erreichte mit Flüchtlingstrecks, dem sogenannten Trakehner Treck, nach monatelanger, harter und kalter Flucht über eine endlos scheinende Eisdecke das Gebiet der späteren westlichen Besatzungszonen.
Seit 1945 wird jedoch in allen deutschen Bundesländern und auch weltweit die Zucht der Trakehner betrieben.
Trakehner sind zwischen 160 – 175cm groß. Es gibt sie in allen Farben, jedoch sind Schecken selten. Noch seltener sind allerdings die stichelhaarigen Tiere.
Da sie sehr ausdauernd sind, sind die schönen Trakehner vor allem in der Vielseitigkeit und im Distanzreiten zu finden. Die charakterstarken Pferde sind aber auch in der Dressur sehr erfolgreich.

Karana vom Zucht und Pensionsstall Michalski
Karana vom Zucht und Pensionsstall Michalski

In Neumünster gibt es jährlich eine große Trakehner Show, auf der ein Hengst als Siegerhengst gekührt und verkauft wird. Die Preise liegen dabei zwischen 20.000€ und ca. 500.000€. Der Siegerhengst des letzten Jahres hieß Sir Sansibar und wurde für 300.000€ verkauft. Der schwarzbraune Hengst stammt aus der Zucht des Gestütes Hohenschmark und krönte ein ohnehin überaus erfolgreiches Jahr für Norbert Timm, den Inhaber des Gestütes in Grebin.
Außerdem wird auf dem Trakehner Hengstmarkt ein Fohlen verlost. Für 5€ kann man sich ein Los kaufen und wer Glück hat, gewinnt das Fohlen. Die durchschnittlichen Preise lagen 2014 bei den gekührten Hengsten um 65.000€. Die weniger interessanten Stuten hingegen kosteten ca. 25.000€ und die Fohlen knapp 8.000€.
Trakehner sind Pferde mit Geschichte und Tradition – sicher nicht immer einfach und auch nicht für jeden Menschen geeignet, aber wer sensible, intelligente und leistungsbereite Pferde schätzt, der wird sie lieben und ehren. Karana ist genau so ein Pferd. Ich atmete die frische Luft ein, galoppierte sie an und flog auf ihrem Rücken Über das nächste Hindernis.

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