Identifizieren ohne Behördengang: Das „Selfie-Ident-Verfahren“ per Handy spart Wege

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Ein neues Verfahren ermöglicht es den Kundinnen und Kunden der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, sich digital mit Handy oder Tablet zu identifizieren. Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, erklärt die wichtigsten Punkte des sogenannten „Selfie-Ident-Verfahrens“ und wirbt für die Nutzung.

Wieso muss man sich grundsätzlich eigentlich persönlich arbeitslos melden?

Kathleen Wieczorek: Die persönliche Arbeitslosmeldung bei der regional zuständigen Agentur für Arbeit ist gesetzlich vorgeschrieben. Sie ist eine Voraussetzung, um Arbeitslosengeld erhalten zu können. Hierbei wird auch immer die Identität geprüft. Mit Beginn der Corona – Pandemie ist die persönliche Meldung jedoch ausgesetzt worden und kann ausnahmsweise auch telefonisch oder online geschehen.

Warum führt die Bundesagentur für Arbeit jetzt ein „Selfie-Ident-Verfahren“ ein?

Wieczorek: Bei telefonischen oder Online-Arbeitslosmeldungen ist keine Identitätsprüfung einer Person möglich. Diese muss in jedem Fall nachgeholt werden. Mit dem neuen „Selfie-Ident-Verfahren“ kann dies digital erfolgen, ohne dass jemand hierfür in unsere Häuser kommen muss. Die notwendige Identifikation erfolgt über Handy oder Tablet. Unsere Kundinnen und Kunden können sich so Wege sparen und die Identitätsprüfung ganz bequem von zu Hause aus vornehmen. Das Verfahren bieten wir bundesweit befristet bis zum 30. September 2020 an.

Wie informieren Sie ihre Kundinnen und Kunden über das neue Verfahren?

Wieczorek: Alle unsere Kundinnen und Kunden, für die dieses Verfahren möglich ist, bekommen bis Mitte Juli ein Schreiben von uns. Das sind rund 2.500 in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Betroffene müssen also erst aktiv werden, wenn sie von uns Post erhalten. In dem Schreiben wird das „Selfie-Ident-Verfahren“ angeboten und erklärt. Über einen angegebenen QR-Code und Link kann sich jeder weiter zum Verfahren informieren und den Identifizierungsprozess starten.

Was ist Voraussetzung, um das neue Verfahren nutzen?

Wieczorek: Benötig wird ein App-fähiges Gerät wie Smartphone oder Tablet, eine stabile Internetverbindung und ein gültiges Ausweisdokument wie Personalausweis oder Reisepass mit holographischem Merkmal.

Wie muss man sich das Selfie-Ident-Verfahren vorstellen? 

Wieczorek: Hierzu wird die App unseres Partnerunternehmens Nect benötigt und eine Anmeldung bei den eServices der Bundesagentur für Arbeit. Von dort folgen sie der Weiterleitung und der Schritt-für-Schritt-Anleitung auf der Webseite beziehungsweise der Nect-App. Die eigentliche Identitätsprüfung erfolgt in drei Schritten: Sie nehmen ein kurzes Video von sich auf, filmen die Vorderseite ihres Ausweises und fotografieren die Rückseite ihres Ausweisdokuments. Im Anschluss erfahren sie sofort, ob ihre Identität erfolgreich bestätigt werden konnte. Bei einer positiven Prüfung ist für sie keine persönliche Identitätsprüfung in der Agentur für Arbeit mehr erforderlich. Ist die Prüfung nicht erfolgreich, nehmen wir Kontakt mit ihnen auf.

Müssen Ihre Kunden das „Selfie-Ident-Verfahren“ nutzen?

Wieczorek: Die Teilnahme am Selfie-Ident-Verfahren ist freiwillig. Sollten sich Kundinnen oder Kunden dagegen entscheiden oder fehlen zum Beispiel die technischen Voraussetzungen, erhalten sie zu einem späteren Zeitpunkt einen Brief, um sich auf herkömmlichem Weg persönlich in ihrer Agentur für Arbeit zu identifizieren. Erste Erfahrungen in den Pilot-Arbeitsagenturen Leipzig und München – das Selfie-Ident-Verfahren wird dort bereits seit dem 17. Juni 2020 eingesetzt – zeigen, dass von den fast 33.000 angeschriebenen Kunden in zwei Wochen bereits 35 Prozent die Möglichkeit der Online-Identifizierung genutzt haben.

Und der Datenschutz?

Der Schutz der persönlichen Daten ist garantiert, erklärt Dr. Markus Schmitz, Generalbevollmächtigter der Bundesagentur für Arbeit: „Der Schutz der personenbezogenen Daten hat für uns höchste Priorität. In Kooperation mit unserem Partnerunternehmen garantieren wir eine sichere Verarbeitung der Personendaten.“

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