Viele Ausbildungsplätze sind noch zu haben – Unternehmen fehlen Ausbildungsbewerber*innen

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Die Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses* der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg haben sich virtuell getroffen und zur aktuellen Situation am Ausbildungsmarkt ausgetauscht. Sie appellieren an die Jugendlichen, die jetzt die Schule verlassen: „Das Ausbildungsangebot ist da! Die Chancen, auch kurzfristig für dieses Jahr noch eine Ausbildungsstelle zu finden, sind gut.“ Aber es gibt weniger Schülerinnen und Schüler, die sich aktuell ausbildungssuchend melden. Rein rechnerisch kommen auf jeden Ausbildungsinteressierten mittlerweile 1,5 Ausbildungsstellen (Vorjahr 1,39). Das spüren die Unternehmen in beiden Kreisen, die trotz Corona unverändert viele Ausbildungsplätze anbieten und gerne ausbilden möchten.

Partner*innen des regionalen Ausbildungsbündnisses

Der Ausbildungsmarkt in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg steht spürbar unter dem Einfluss der Corona – Pandemie. Bis Mai 2021 ging die Zahl der Ausbildungsbewerberinnen und – bewerber gegenüber den Vorjahren deutlich zurück. Über beide Kreise waren es bis Mai 1.579 Jugendliche (aus dem Kreis Stormarn 763, aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg 816), die sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe gemeldet hatten. Das ist die niedrigste Zahl seit 2010.

Beim Lehrstellenangebot hingegen verzeichnete die Arbeitsagentur im selben Zeitraum mit 2.366 gemeldeten Ausbildungsplätzen (Stormarn 1.464, Herzogtum Lauenburg 902) den zweithöchsten Wert der letzten zehn Jahre. Davon sind aktuell noch 1.240 Ausbildungsstellen unbesetzt (Stormarn 724, aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg 516). Gleichzeitig sind 693 Bewerberinnen und Bewerber weiter auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Kathleen Wieczorek, Chefin der Oldesloer Agentur für Arbeit, sieht diese Entwicklung vor allem in der pandemischen Lage begründet. „Dass es aktuell weniger Ausbildungsbewerberinnen und – bewerber gibt, liegt an den einschränkenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie“, sagt sie. Wo Schulen geschlossen waren, konnten nicht in gewohnter Weise Berufsberatung und berufliche Orientierung im Unterricht stattfinden. Auch Praktika in Unternehmen waren weniger möglich. „Einige Jugendliche gehen deshalb weiter zur Schule oder suchen sich andere Alternativen. Da mag auch die Unsicherheit, wie sich die einzelnen Branchen zukünftig wirtschaftlich entwickeln, eine Rolle spielen. Trotzdem wollen die Unternehmen in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg weiterhin ausbilden. Die Zahl der uns gemeldeten Ausbildungsstellen belegt dies und zeigt: Der Ausbildungsmarkt ist auch während der Corona-Pandemie in unserer Region stabil. Das war im vergangenen Jahr so und ist auch in diesem Jahr so.“

Dies bestätigen die Vertreterin und Vertreter der Kreishandwerkerschaften und Handwerkskammer: „Handwerklich Interessierte finden in fast allen Handwerksberufen noch freie Ausbildungsstellen.“ Susanne Bendfeldt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg, weiß um aktuell rund 90 handwerkliche Ausbildungsangebote, für die noch Auszubildende gesucht werden, was etwa dem Vorjahr entspricht. „Schulpraktika waren und sind möglich, sofern es ein Hygienekonzept im Betrieb gab bzw. gibt“, so Bendfeldt. Im Kreis Stormarn gibt es aktuell sogar mehr freie Ausbildungsplätze als im Vorjahr. „Schon im vergangenen Jahr konnten nicht alle Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben besetzt werden“, sagt Marcus Krause, Geschäftsführer der Stormarner Kreishandwerkerschaft und weist auch darauf hin, dass die Betriebe Praktika ermöglichen. Was aus seiner Sicht fehlt, sind die Präsenzmaßnahmen und – angebote, um die Jugendlichen zu erreichen und für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern. Diese konnten aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht stattfinden. „Unsere Erfahrung zeigt, dass digitale Angebote bei den Jugendlichen leider nicht die Durchschlagskraft haben wie Präsenzangebote. Die Nachfrage ist erheblich gestört, im Handwerk ist die Zahl der Bewerbungen eingebrochen“ ergänzt Christian Maack, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. „Bislang sind bei der Handwerkskammer für den Kreis Stormarn mit 157 Ausbildungsverträgen 14 weniger als im Vorjahr eingetragen worden, ein Minus von neun Prozent. Dies jetzt noch aufzuholen, wird schwierig. Im Herzogtum Lauenburg freuen wir uns mit jetzt 148 eingetragenen Verträgen über sieben mehr zum Vorjahr. Für die Jugendlichen bietet das Handwerk auch jetzt noch viele Angebote für den Einstieg in eine Ausbildung im Herbst.“

Auch Dr. Ulrich Hoffmeister, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, bestätigt die Erfahrungen von Seiten des Handwerks: „Mit digitalen Angeboten erreichen wir die Schülerinnen und Schüler nicht so wie mit Präsenzveranstaltungen. Es sind jetzt rund ein Viertel der zu erwartenden Ausbildungsverträge bei uns eingetragen. Im Kreis Stormarn sind dies aktuell 177, was dreizehn mehr sind als im Vorjahr. Für den Kreis Herzogtum Lauenburg zählen wir 72 Ausbildungsverträge und damit einen mehr als vergangenes Jahr. Aber auch die uns angehörigen Ausbildungsunternehmen berichten, dass ihnen Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Wer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, findet immer noch eine breite Auswahl.“

Auch die Beruflichen Schulen sind sonst bei der Berufsorientierung aktiv und unterstützen ihre Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsberuf mit Messen, praktischen Werkstattunterrichten oder Werkstatt-Tagen. „Dies alles konnten wir aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht anbieten. Ohne den Präsenzbetrieb fehlen bewährte Angebote, um den Einstieg in eine duale Ausbildung zu begleiten. Aktuell liegt der Schwerpunkt in der Organisation der Abschlussprüfungen derer, bei denen die Ausbildung jetzt endet“, berichten die Schulleiter Kai Aagardt (Berufliche Schulen Bad Oldesloe) und Ulrich Keller (Regionales Berufsbildungszentrum Mölln). „Wir stehen aber auch bereits im Austausch mit allen Partner*innen, wie Unternehmen, Kreishandwerkerschaften und der Agentur für Arbeit, um im nächsten Schuljahr unseren Schülerinnen und Schülern wieder alle ausbildungsvorbereitenden Angebote anbieten zu können.“

Die Mitglieder des regionalen Ausbildungsbündnisses betonen abschließend gemeinsam: „Wir unterstützen gerade auch jetzt alle Ausbildungsinteressierten mit der Berufsberatung per Video oder zahlreichen Online-Angeboten zur Ausbildungssuche und tun alles dafür, Jugendliche bei ihrer Berufswahl und Ausbildungssuche zu helfen! Wer einen Überblick über den regionalen Ausbildungsmarkt bekommen möchte, kann sich an die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe wenden. Sie sind auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz behilflich.“

 

Termine für eine Berufsberatung bekommen interessierte Schülerinnen und Schüler über die Hotline 0 45 31 – 167 154 oder sie schreiben eine E-Mail an badoldesloe.berufsberatung@arbeitsagentur.de.

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