Schulen werden Hochinzidenzgebiete

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Fachgespräch des Landtags-Bildungsausschusses mit deutlichem Ergebnis:

Um „verhältnismäßige Maßnahmen zum Schutz vor COVID-19 in den schleswig-holsteinischen Schulen“ ging es bei einem Fachgespräch des Bildungsausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Als Experten hatten sich die Abgordneten Dr. Anne Marcic, Referentin für Infektionsschutz des Landes Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Helmut Fickenscher, den Leiter des Instituts für Infektionsmedizin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Philip Rosenstiel, den Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie am UKSH und Prof. Dr. Jan Rupp, den Direktor der Klinik für Infektiologie und Mikrobiologie am UKSH, Campus Lübeck, eingeladen. In ihren Ratschlägen und Prognosen waren sich die Fachleute weitgehend einig – und brachten Martin Habersaat, den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, dennoch zum Schlucken.

Der Landtagsabgeordnete aus Reinbek fasst die wesentliche Botschaft des Expertengesprächs zusammen: „Über kurz oder lang werden sich nahezu alle Kinder unter 12 Jahren mit COVID-19 infizieren. Das ist auch ihre einzige Möglichkeit, Immunität zu erwerben. Aktuelle Vorsichtsmaßnehmen in Kindertagesstätten und Schulen dienen demzufolge nur noch dem Zweck, das Ausbruchsgeschehen zu verlangsamen und allen älteren Personen die Gelegenheit zu geben, sich impfen zu lassen.“ Das sei eine Nachricht, die er als Abgeordneter logisch verstehe, als Vater von zwei Jungs im Kindergartenalter aber dennoch erst einmal verdauen müsse. „Wo ist die Bildungsministerin, die über diese Sachverhalte aufklärt?“, fragt Habersaat. Ein zweites Ergebnis des Gesprächs: „Die spät entflammte Liebe von Ministerin Prien für Luftfilter, sofern sie denn der Bund bezahlen würde, dürfte wieder erkaltet sein.“ Wo nicht ausreichend gelüftet werden könne, seien sie sinnvoll. Als hilfreich wurden CO2-Ampeln empfohlen, die generell dabei helfen können, ein gutes Gefühl für das richtige Lüften zu finden. Habersaat: „Professionelle Belüftungssysteme, die neben dem CO2-Gehalt auch die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Raum steuern können, sollten im modernen Schulbau ein Thema bleiben.“ Und der moderne Schulbau müsse dringend ein Thema der Landespolitik werden.

Es ist also davon auszugehen, dass im Herbst und im Winter die Schulen in Deutschland zu Hochinzidenzgebieten werden. Die Zahl der Infizierten dort wird höher sein als im Durchschnitt der Bevölkerung. Die Zahl der Ansteckungen wird dort allerdings nach Aussage der Expert*innen wohl nicht so hoch sein. Lehrkräfte und Kita- Personal sind nach Aussage der Expert*innen dennoch nur dann eine bevorzugte Zielgruppe für Drittimpfungen, wo bestimmte Vorerkrankungen vorliegen. „Wichtig und richtig bleibt die Aussage: Wer noch gar nicht geimpft ist und sich impfen lassen könnte, sollte dies jetzt schnell nachholen. Und wo es Kampagnen von Impfgegnern und Querdenkern gibt, müssen wir uns ihnen entgegenstellen. Das heißt für die Bildungsministerin: Auch mal hinfahren, wenn es vor Ort ungemütlich wird“, so das Fazit von Martin Habersaat.

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