Kreisarchiv Stormarn erhält den Nachlass von Siegfried Assmann

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Bad Oldesloe: Jedes Kunstwerk hat ein Vorleben: Von einem Künstler kennt man sein Werk, aber selten die Schritte, wie es entstanden ist. Im Falle des überregional bekannten Glasmalers und Bildhauers Siegfried Assmann, der bis 2021 in Großhansdorf lebte, wird nun auch der Weg von der Idee zum Kunstwerk nachvollziehbar: Stefanie Assmann-Och hat jetzt dem Kreisarchiv Stormarn den Nachlass ihres Vaters überlassen. In einem ersten Schritt sind dem Kreisarchiv großformatige Entwürfe zu Assmanns Arbeiten übergeben worden.

Von Siegfried Assmann stammen unter anderem drei Buntglasfenster in der Peter-Paul-Kirche in Bad Oldesloe, die Ausstattung der Kapelle sowie des Raums der Stille im Kloster Nütschau oder die Altarfenster in der Auferstehungskirche Großhansdorf. Insgesamt hat Assmann in den sieben Jahrzehnten seines Schaffens über 80 Kirchen und Kapellen in Nord-deutschland künstlerisch ausgestattet. Dazu kommen zahlreiche Plastiken im öffentlichen Raum. Die Vorarbeit dazu ist in Korrespondenz, Entwürfen und Dokumenten erhalten, die das Kreisarchiv aufarbeiten wird, um sie dann für Wissenschaft und Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Assmann, Siegfried: geboren 01.02.1925, gestorben 07.06.2021
Einwohner von Großhansdorf: Glasmaler, Bildhauer, Maler, Zeichner: Aufnahme in Atelier Großhansdorf: bei Arbeit mit Schleifpapier an großem Gipsmodell Ochse, auf Ständer, für Projekt Ochsenpfad (Assmann, Siegfried: geboren 01.02.1925, gestorben 07.06.2021
Aufnahme in Atelier Großhansdorf: bei Arbeit mit Schleifpapier an großem Gipsmodell Ochse, auf Ständer, für Projekt Ochsenpfad (1992 aufgestellt in Hohenweststedt): im Vordergrund Kleinmodell Ochsentreiber mit Ochsen, im Hintergrund Gipsmodell Ochsentreiber in Lebensgröße: 17. Juni 1992: im Vordergrund Kleinmodell Ochsentreiber mit Ochsen, im Hintergrund Gipsmodell Ochsentreiber in Lebensgröße: 17. Juni 1992

„Wir freuen uns sehr über den Nachlass Assmanns“, erklärt Stefan Watzlawzik, Leiter des Kreisarchivs Stormarn. Vermittelt hatte das Ganze die frühere Bargteheider Archivarin Hannelies Ettrich, die seit vielen Jahren Kontakte zu den in Stormarn arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern hält. „Wir können natürlich nur die Flachware aufnehmen, also Skizzen, Entwürfe und Dokumente. Das ist ein Bestand, der äußerst bedeutend ist und gesichert werden muss. In den sieben Jahrzehnten seines Schaffens ist Vieles entstanden, das den öffentlichen Raum prägt.“ so Watzlawzik weiter.

„Ich begrüße die Vereinbarung zur Übernahme des Nachlasses sehr“, erklärt auch Landrat Dr. Henning Görtz. „Die Arbeit Siegfried Assmanns hat für die bildende Kunst im Kreis Stormarn eine extrem hohe Bedeutung. Ich freue mich, dass unser Archiv nun einen Beitrag zum Erhalt der Arbeit leisten kann.“ Das unterstreicht auch Kreispräsident Hans-Werner Harmuth: „Ich bin sehr beeindruckt, was für ein Fundus da für den Kreis kommt.“ Es sei gut, dass das Archiv damit umgehen könne, um solche Dokumente zu sichern und in Zukunft zur Verfügung stellen zu können.

Der Schwerpunkt Assmanns habe auf der sakralen Kunst gelegen – da gebe es eine breite Palette. Durch den Nachlass werde nun auch der Entstehungsprozess seiner Arbeiten dokumentiert. „Als Kreisarchivar freue ich mich über die Fülle und Geschlossenheit des Nachlasses, der auch persönliche Papiere und viele Entwürfe enthält.“ so Watzlawzik. Das Kreisarchiv habe damit den bisher umfangreichsten Künstlernachlass erhalten.

Das ist auch ein Anliegen von Stefanie Assmann-Och. „Ich sehe es als große Ehre, dass der sehr umfangreiche Nachlass meines Vaters auf Papier restauriert und archiviert wird“, erklärt sie. „Laut Aussage eines Kunsthistorikers sind beispielsweise die M 1:1-Entwürfe der Kirchen-fenster einmalig.“ Da sei es wichtig, dass sie fachgerecht behandelt und gelagert würden, um zu überdauern. Es sei zudem spannend, den Übergang von der analogen in die digitale Welt zu ermöglichen und die Arbeiten ihres Vaters so besser zugänglich zu machen. „Im Kreisarchiv sind sie für die Zukunft gesichert.“ Diese Aufgabe ist für die zahlreichen realen Glasfenster und bildhauerischen Werke im öffentlichen Raum noch offen.

Mit der Fülle des Materials kommt auf die Mitarbeiter auch eine Fülle an Aufgaben zu. „Wir haben zunächst 60 bis 70 Papierrollen erhalten, die nun dokumentiert werden müssen“, so Leif Erik Pöppel, der für die privaten Sammlungen im Archiv zuständig ist.

Alles wird gesichtet, beschrieben, katalogisiert, gesäubert, wenn nötig restauriert und in einem letzten Schritt digitalisiert. Für die Archivmitarbeiter ist es spannend zu sehen, was die Rollen enthalten – viele sind nicht beschriftet und müssen erst einmal zugeordnet werden. „Unsere Aufgabe ist es, die Originale zu bewahren, aber auch den Zugang zu ermöglichen, indem wir sie als Digitalisat zur Verfügung stellen, auf das jeder Interessierte zugreifen kann“, sagt Pöppel. So könnten sie auch einer wissenschaftlichen Erschließung zugeführt werden.

Weitere Informationen über Siegfried Assmann im Stormarn Lexikon:

https://www.stormarnlexikon.de/siegfriedassmann/360

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