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Abschied von Kumar Krishan

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Wer regelmäßig freitagnachmittags auf dem Bargteheider Wochenmarkt einkauft, kennt Kumar Krishan.

Sei 20 Jahren steht der gebürtige Inder jede Woche gegenüber dem Imbiss von Marktleiter Sven Fümel und verkauft das Hamburger Straßenmagazin Hinz und Kunzt. Immer freundlich und zuvorkommend trägt er auch schon mal Einkaufstaschen zum Auto oder passt auf den Hund auf, während das Herrchen die Einkäufe erledigt.

1996 nahm Kumar Abschied von seiner Familie in Indien und ging nach Hamburg, um zu arbeiten und seinen vier Kindern dadurch eine Ausbildung oder Studium zu ermöglichen. Sein jüngster Sohn war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal drei Jahre alt. Seine Frau, die beiden Töchter und Söhne hat er mittlerweile seit 22 Jahren nicht gesehen, sah seine Kinder nicht aufwachsen, verpasste ihre Hochzeiten und die Geburten seiner vier Enkelkinder. Denn für ein Flugticket, um hin und wieder zu Besuch nach Hause zu fahren, reichte das Geld nicht. „Meine Frau hat mir immer Filme von allem geschickt“, grinst Kumar und zeigt auf sein Handy. „Und wir telefonieren regelmäßig.“

Außer in Bargteheide verkauft er seine Zeitungen auch in Rissen, Oldesloe und Reinfeld. Zehn Jahre lang arbeitete er zusätzlich als Lagerarbeiter und auch mal als Friseur. In Indien hatte er einen eigenen Salon. Zwischen 300 und 350 Euro konnte Kumar so monatlich an seine Familie schicken. Dafür lebt er selbst äußerst bescheiden in einer kleinen Wohnung in Hamburg. Für die meisten von uns ein unvorstellbar großes Opfer. Spricht man ihn darauf an, lächelt er glücklich. Es habe sich alles gelohnt, alle Kinder hätten nun eine gute Ausbildung und Arbeit. Ein Sohn sei Arzt, ein anderer Ingenieur geworden.

2012 erlitt Kumar einen Schlaganfall und musste für längere Zeit ins Krankenhaus. Seitdem fällt ihm das Sprechen schwer, eine Hand lässt sich nicht mehr gut bewegen.

Nun kehrt der siebzigjährige nach 22 Jahren in seine Heimat, nahe der indischen Hauptstadt Neu Dehli, zurück. „Ich bin alt“, sagt der siebzigjährige, „meine Kinder sind erwachsen, haben einen Beruf und können für sich selbst sorgen.“

Am Freitag, den 18.5. steht Kumar Krishan noch ein letztes Mal auf dem Bargteheider Wochenmarkt. Er wird uns fehlen und wir wünschen ihm alles Gute.

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