Neues aus Żmigród (6)

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Seit 2001 ist Bargteheide mit dem polnischen Żmigród verschwistert. Die niederschlesische Stadt, die 40 km nördlich von Breslau liegt, bildet zusammen mit seinen Umlanddörfern eine Gemeinde. In meiner Kolumne berichte ich auf Basis von Internet- und Pressemeldungen über einige Schlaglichter aus dem Leben unserer polnischen Nachbarn, über ihre Freuden, Hoffnungen, Sorgen und Nöte. Denn die Anteilnahme am Leben einer Partnerstadt sollte sich nicht nur auf Begegnungen einiger weniger Bürger oder Offizieller beschränken.

 

  • Auch in Polen haben die Corona-Schutzimpfungen begonnen. Die Żmigróder Verwaltung hat dazu am 18. Januar in einer Veranstaltung die Mitglieder des Seniorenbeirats über den organisatorischen Ablauf informiert, damit sie die Informationen an ihre Altersgenossen weitergeben. Mittlerweile können sich schon Personen der Altersgruppe ab 70 Jahre über verschiedene Wege zur Impfung registrieren. Da das Gesundheitswesen in Polen etwas anders organisiert ist, gibt es in der Gemeinde Żmigród sogar drei Einrichtungen, in denen geimpft wird. Für alle, die nicht selbständig zum Impftermin kommen können, bietet die Stadtverwaltung Hilfe an. Alles scheint gut organisiert zu sein, nur leider fehlt da noch etwas ganz Entscheidendes … und das kommt doch auch uns irgendwie bekannt vor.
  • Wenn Sportler oder Künstler Erfolge feiern, so ist dies auch immer für ihren Heimatort ein Grund zum Stolz. Dazu bietet nun Milena Urbanik Gelegenheit, denn die 16jährige Schülerin aus Żmigród gewann am 7. November letzten Jahres die polnischen Nationalen Junioren-Meisterschaften im Karate Kumiti (Freikampf) in der Klasse bis 59 kg. Milena trainiert bereits seit ihrem 4. Lebensjahr Kampfsport und startet mittlerweile für einen Breslauer Club. Als nächstes hat sie die olympischen Wettkämpfe fest im Blick. Und wenn Sie mich nun fragen, wie es möglich war, unter Corona-Bedingungen ein Jugendturnier in einer Kontaktsportart durchzuführen, muss ich gestehen: ich weiß es auch nicht.

 

  • Wie berichtet, war im September im Alter von nur 35 Jahren der Żmigróder Stadthistoriker Paweł Becela gestorben (https://www.bargteheideaktuell.de/aktuell/66029/traurige-nachricht-aus-zmigrod/). Während seines kurzen Lebens hat er sich große Verdienste um seine Heimatgemeinde erworben, weil er in gerade mal 10 Jahren die komplette Stadthistorie anschaulich zu Papier brachte. Testamentarisch hat der Heimatforscher alle seine privaten Dokumente der Stadt vermacht, damit diese sie für Interessierte zugänglich hält. Zuvor jedoch lässt die Gemeinde die penibel geordnete Sammlung noch digitalisieren.

 

Am 22. Dezember ehrte Żmigród den Verstorbenen dann gleich zweifach. Auf Beschluss des Stadtrats wurde ihm posthum die städtische Verdienstmedaille verliehen, die seine Mutter, Jolanta Becela, stellvertretend entgegennahm. Dass das zu der bewegenden Zeremonie aufgestellte Erinnerungsportrait in Bargteheide entstanden war, dürfen wir vielleicht als kleines Zeichen von Pawełs Verbundenheit mit der deutschen Partnerstadt verstehen. Die zweite Würdigung folgte unmittelbar im Anschluss: mit Repräsentanten der Stadt enthüllte Jolanta Becela ein Schild an einem Platz, der jetzt nach ihrem Sohn benannt ist.

Enthüllung des Schildes
  • Unter dem Motto „Żmigrodove Roverlove“ (rower ist das polnische Wort für Fahrrad) hat Żmigród 2021 zum lokalen Fahrradjahr ausgerufen. Aber anders als in Bargteheide, wo man uns mit dem Stadtradeln eine verwahrloste Rad-Infrastruktur schmackhaft machen will, wird im Barycz-Tal die logisch richtige Reihenfolge eingehalten: nachdem schon einige neue Radwege entstanden sind, wirbt man jetzt für deren ganzjährige Nutzung. Im neuen Jahr werden dazu an besonderen Tagen Veranstaltungen oder Radtouren angeboten, so z. B. in Kürze ein Roverlove-Valentinstag. Flankiert wird das Ganze mit Aufklärung über Sicherheit im Straßenverkehr, Informationen zur richtigen Ausrüstung und einem Fotowettbewerb. Und bei uns? Die Politik diskutiert über Radwegekonzepte … als würde man vom Lesen der Speisekarte satt! Wie wäre es, wenn man inzwischen wenigstens auf den vorhandenen Radwegen die Schlaglöcher beseitigt, Markierungen erneuert und die Schilder wieder richtet? Wäre ja mal ein Anfang.
Ankündigung
  • Der neueste Coup der nimmermüden Damen aus dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit im Żmigróder Rathaus ist ein Kochbuch mit regionalen Spezialitäten. Es trägt den Titel „Żmigróder Aromen des Barycz-Tals“. Das Besondere daran ist, dass die 26 Rezepte aus der Einwohnerschaft zusammengetragen wurden. Und weil das Barycztal mit den zahlreichen Teichen für seine Süßwasserfischzucht bekannt ist, spielen dabei Fischgerichte (z.B. Ceviche aus Karpfen oder Fischklöße) eine herausragende Rolle. Daneben werden aber auch traditionelle Speisen wie Kohlrouladen mit Kartoffelfüllung vorgestellt, die nach dem Krieg aus den früheren polnischen Ostgebieten mitgebracht und von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, melden Sie sich doch einfach zu einer Bürgerbegegnung mit Żmigród nach der Corona-Pause an. Dann bekommen Sie diese Leckereien beim nächsten Besuch vor Ort vielleicht einmal persönlich serviert.
Das neue Rezeptbuch

 

Text: Christof Leidner

Bildmaterial: Redaktion Wiadomości Żmigródzkie, Internetseite der Gemeinde Żmigród

 

1 KOMMENTAR

  1. Nachtrag des Autors: Aufgrund der Wetterlage vor Ort musste der Roverlove-Valentinstag leider abgesagt werden. Interessierte verweise ich auf die nächste Veranstaltung, die bereits im kommenden Monat stattfindet. Am 20. März will man per Rad den Frühling im Barycz-Tal begrüßen.

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